„Saarland 3D“ - von Katastrophenschutz bis Stadtplanung
Hochwassergefahren erkennen, Einsätze planen, Stadtentwicklung simulieren: Das Saarland nutzt einen Digitalen Zwilling, um Geodaten anschaulich und für viele Zwecke nutzbar zu machen.

Foto: Messe Berlin
Am Pfingstfreitag 2024 fällt im Saarland an einem Tag mehr Regen als sonst in einem ganzen Monat. Der Starkregen setzt das Bundesland fast vollständig unter Wasser. Kaum ein Gewässer bleibt innerhalb seiner Ufer, kaum eine Kommune verschont. Tausende Rettungskräfte sind im Einsatz, eine Frau stirbt. Der Schaden für Kommunen, Betriebe und Privathaushalte wird auf rund 300 Millionen Euro geschätzt.
Daten helfen, Risiken abzuschätzen
Der Schock wirkt bis heute nach – auch bei Petra Berg, saarländische Ministerin für Umwelt, Klima, Agrar, Mobilität und Verbraucherschutz. „Wir kommen aus der Realität und aus Ereignissen, die uns tief getroffen haben“, sagt sie in ihrer Keynote auf der SCCON 2026. Dort stellt sie ein Pionierprojekt des Landes vor: den Digitalen Zwilling „Saarland 3D“. Sie sei „ein bisschen stolz“, dass das Land nun seinen Daten-Doppelgänger habe, mit dem sich künftig viele Schäden verhindern ließen.
Gefahren dreidimensional darstellen
Für den Digitalen Zwilling trägt das Landesamt für Vermessung, Geoinformation und Landentwicklung (LVGL) sämtliche Geodaten des Saarlands zusammen. In Kombination mit Echtzeitdaten von Sensoren und Pegelständen entstehen dreidimensionale Darstellungen, etwa von Hochwasser- und Starkregengefahren. „Das geht über die klassische Darstellung von Flussläufen hinaus“, erläutert Berg.
Risiken für das eigene Grundstück erkennen
Die Visualisierung ermöglicht Feuerwehren, Katastrophenschutz und Hilfsorganisationen, ihre Einsätze frühzeitig zu planen. Kommunen können gezielt Präventionsmaßnahmen „an Stellen ergreifen, in denen Regenabflüsse unerwartet auftreten, und jede Hausbesitzerin und jeder Hausbesitzer kann sofort erkennen, ob und in welchem Ausmaß ihr Grundstück betroffen ist und wie sie es schützen können“. Um Starkregenereignisse verständlich zu zeigen, werden die Daten „in Fünf-Minuten-Zeitscheiben aufbereitet“. Sie lassen sich animieren oder über einen Schieberegler abrufen.
Simulationen für die Stadtplanung
In den kommenden Jahren soll der 3D-Zwilling weiterwachsen. Geplant ist unter anderem ein Solardachkataster, mit dem sich der erwartete Beitrag von Photovoltaikanlagen zur Energiegewinnung abschätzen lässt. Kommunen können für ihre Stadtplanung virtuell Gebäude abreißen und neu errichten und ihre Vorhaben frühzeitig öffentlich vorstellen. Simulationen machen die Planungen für Bürgerinnen und Bürger nachvollziehbarer. Das ist wichtig, betont Berg: Denn Städte müssen ihre Infrastruktur an die zunehmenden Herausforderungen durch Klimawandel und Extremwetter anpassen. „In diesen Zeiten brauchen wir dafür den Rückhalt der Bevölkerung.“