Skalierung mit der EUDI-Wallet
Wie steht es um den Deutschland-Stack? Die ersten Basisdienste sollen 2027 kommen. Die Meilensteinplanung fürs Gesamtprojekt fehlt aber noch.

Foto: Messe Berlin
Das Ziel ist klar: „Wir machen den Deutschland-Stack für die Bürger“, sagt Christina Decker, Abteilungsleiterin Deutschland-Stack im Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung. Am Ende solle Verwaltung für die Bürgerinnen und Bürger einfacher werden, genauso aber für die Verwaltungen selbst und für Unternehmen der Privatwirtschaft, die besonders häufig mit ihnen zu tun haben.
Der Deutschland-Stack ist ein Technologiebaukasten mit mehreren Schichten, aus dem sich Bund, Länder und Kommunen für ihre Digitalvorhaben bedienen können. Zu den Schichten gehören Portale, Netze, Standards, Software – und fünf Basisdienste, zu deren Umsetzung sich Bund und Länder gemeinsam verpflichtet haben.
Spürbare Erleichterungen für Bürgerinnen und Bürger
„Stackst du noch oder läufst du schon? Wie der Deutschland-Stack zum Erfolg wird“, fragt ein Panel auf der SCCON 2026. Für Christina Decker liegt auf der Hand: „Wir fangen mit den Basisdiensten an, denn das ist das, was der Bürger spüren wird.“ Allen voran: die EUDI-Wallet, die Anfang 2027 eingeführt werden soll. Dort seien etliche Multiplikatoren angeschlossen, etwa DHL oder Sparkasse, sodass die Wallet für alltägliche Leistungen wichtig werde. „Das ist Skalierung: Ich wünsche mir, dass in einem Jahr fast alle hier die Wallet auf dem Handy haben und es ganz normal ist, sie zu nutzen.“
Zwei weitere Basisdienste stehen laut Decker ebenfalls schon zur Verfügung: NOOTS (Nationales Once-Only-Technisches System), das dafür sorgt, dass Nachweisdaten künftig nur einmal erhoben werden müssen, und der Datenaustausch mit FIT-Connect. Die Zahlungsabwicklung (ZBDS) und der Basisdienst Postfach/Benachrichtigung (ZaPuK) fehlen noch. Genauso wie die Meilensteinplanung des Deutschland-Stacks – die soll im März 2027 beschlossen werden.
Kommunen wollen kein Korsett
Für Dataport als zuständigen IT-Dienstleister gehe es nun darum, die EUDI-Wallet konkret anzubinden, ohne die Kommunen damit zu überfordern, sagt Thorben Ehlers, Geschäftsbereichsleiter Inneres & Soziales der Dataport AöR. „Ich glaube, es bringt nichts, wenn wir den Kommunen von oben ein Korsett überwerfen.“ Es sei illusorisch, auf einen Schlag massenhaft Verfahren in den Kommunen umzustellen. In ihrer täglichen Arbeit müssten die Mitarbeitenden weiterhin die Entscheidungsfähigkeit behalten. Deshalb sei für ihn die Frage: „Wie können wir die Standards für die Kommunen, für die Landesbehörden verdaubar herunterbrechen und trotzdem für Interoperabilität sorgen?“
Es muss sich mit der Zeit entwickeln
Es gehe auch um Erwartungsmanagement, sagt Dr. Alfred Kransteckt, Direktor des Informationstechnikzentrum Bund (ITZBund). „Wir müssen dem Deutschland-Stack Zeit geben, damit daraus ein lebendiges Ökosystem wird.“ Die Attraktivität werde mit der Zahl der Anwendungen wachsen und damit, dass für Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger spürbarer Mehrwert entstehe. Wenn nur ein oder zwei Funktionen zur Verfügung stehen, „dann wird es nicht genutzt. Wir brauchen die Chance, möglichst viel Substanz hineinzubekommen.“ Das werde möglicherweise zwei, drei Jahre dauern – „diese Geduld sollten wir uns alle geben.“
Es gehe auch um Erwartungsmanagement, sagt Dr. Alfred Kranstedt, Direktor des Informationstechnikzentrums Bund (ITZBund). „Wir müssen dem Deutschland-Stack Zeit geben, damit daraus ein lebendiges Ökosystem wird.“ Die Attraktivität werde mit der Zahl der Anwendungen wachsen und damit, dass für Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger ein spürbarer Mehrwert entstehe.