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Messe Berlin
Smart Country Convention
5. – 7. Okt. 2027

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Fake News und Vertrauen: Wie schützen wir die Demokratie?

Durch KI und Social Media werden Gesellschaften mit Desinformationen und Fälschungen überschwemmt und in ihrem Zusammenhalt bedroht. Was Medienexperten raten.

Besucher verfolgen einen Bühnenvortrag.

Foto: Messe Berlin

Was passiert, wenn eine Gesellschaft sich nicht mehr auf Fakten einigen kann? Was, wenn Menschen nicht mehr zwischen Information und erfundenem Inhalt unterscheiden können? Darüber diskutierten auf der SCCON 2026 drei Medienexpertinnen und -experten auf dem Panel „Resilienz, aber für alle: Wie gelingt in einer digitalen Gesellschaft der Kampf gegen Desinformation und für unsere Demokratie?“

Desinformation schädigt demokratische Grundwerte

Laut dem Digital News Report nutzen fast 40 Prozent der 14- bis 28-Jährigen soziale Medien als ihre Hauptnachrichtenquelle, wie Medienwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Neuberger, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Weizenbaum-Instituts, berichtet. Jeder zweite sage, sie oder er sei nicht mehr in der Lage, zwischen Wahrheit und Unwahrheit zu unterscheiden. „Desinformation hat zu einer erheblichen Verunsicherung beigetragen“, sagt Neuberger. Der öffentliche Diskurs leide, und das habe Auswirkungen auf sämtliche Werte, die der Demokratie zugrunde liegen: Gleichheit, Wahrheit, Wissen, Zusammenhalt, Kontrolle.

„Wer nichts mehr glaubt, ist leichter zu lenken“

„Das Gefährlichste an Desinformation ist nicht die einzelne Lüge, das Gefährlichste ist der schleichende Effekt“, erklärt auch Florian Hager, Intendant des Hessischen Rundfunks und ARD-Vorsitzender. Wenn autoritäre Akteure aus In- und Ausland gezielt Misstrauen säen, sei ihr Ziel nicht, „dass wir ihnen glauben. Ihr Ziel ist, dass wir niemandem mehr glauben“. Denn: „Wer nichts mehr glaubt, ist leichter zu lenken.“

Ein großes Problem ist, dass es mit KI für Laien wie für Profis leicht und billig ist, Fantasiemeldungen in rauen Mengen zu produzieren. Seriöse journalistische Angebote hingegen, die auf Fakten und Recherchen basieren, sind aufwändig und teuer. Und sie stehen im Dauerfeuer derjenigen, die ihre Glaubwürdigkeit gezielt angreifen.

Hasswelle nach investigativer Recherche

So wie das gemeinwohlorientierte Medienhaus CORRECTIV, das investigativen Journalismus betreibt und spendenbasiert arbeitet. Breit bekannt wurde es 2024 durch seine Potsdam-Recherche über die Debatten zu „Remigration“. Damals habe CORRECTIV erst 60 Mitarbeitende gehabt und sei überhaupt nicht auf die Welle des Hasses vorbereitet gewesen, die über die Redaktion hereinbrach, berichtet Chefredakteurin Anette Dowideit. Inzwischen arbeiten im Haus fast 200 Mitarbeitende. Die interne und externe Kommunikation wurde gestärkt – „und wir geben auch sehr viel Geld für anwaltliche Beratung aus“.

Regeln für die Social-Media-Plattformen

Zudem müssten die Social-Media-Plattformen in die Verantwortung genommen werden, fordert Medienwissenschaftler Neuberger. Regulierungsmaßnahmen wie den Digital Services Act und den AI Act der EU halte er für den richtigen Weg. Auch über einen Plattform-Soli sei zu reden: Wenn die großen Plattformen von journalistischen Inhalten profitieren und damit sehr viel Geld verdienen – sollten sie dann nicht dafür bezahlen?

Faktenchecks seien wichtig gegen Desinformation, ergänzt ARD-Chef Hager. Aber das werde nicht reichen: „Wir werden der Flut nicht Herr werden.“ Am Ende benötige es Medienkompetenz quer durch alle Altersgruppen. Es gelte, Informationen „mit einem gesunden Misstrauen zu begegnen“ und drei Fragen zu stellen: „Wer sagt das? Woher weiß die Person das? Wer profitiert von dieser Nachricht?“

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