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Messe Berlin
Smart Country Convention
5. – 7. Okt. 2027

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„Wir müssen aus der Naivität aufwachen“

Wie gut ist die kritische Infrastruktur in Deutschland auf hybride Bedrohungen vorbereitet? Entscheidend sind Prävention, Souveränität, Mindset und Zusammenarbeit.

Besucher verfolgen einen Bühnenvortrag.

Foto: Messe Berlin

Cyberangriffe, Drohnen, Sabotage an Kabeln – gezielte Störungen digitaler Dienste und Anwendungen sind ein strategisches Instrument geopolitischen Drucks geworden. Wie gut Deutschland auf solche Angriffe vorbereitet ist und wie das Zusammenspiel aus Staat, Wirtschaft und Behörden funktioniert, damit befasste sich das Panel „Digitale Infrastruktur unter Druck: Resilienz und Krisenbewältigung in Zeiten hybrider Bedrohungen“.

„Wir haben ein riesiges Spektrum an Bedrohungslagen, von einfachen Hackern über linksextremistische Gruppen und hybride Angriffe aus Russland bis hin zu Diensten, die von politischen Entscheidern wie etwa in China und den USA beeinflusst werden“, sagt Thomas Jarzombek, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung. „Wir müssen uns absichern.“ Er spricht sich für mehr Unabhängigkeit bei KI-Rechenzentren oder Satellitentechnologie aus, etwa durch europäische Produkte, Start-ups, Open Source-Technologien. Der Staat und die Industrie müssten zusammen die IT-Wirtschaft stärken.

Klare Abläufe und Kommandostrukturen

Zur kritischen digitalen Infrastruktur zählen auch die Mobilfunkanbieter. Für Dr. Marcus Hacke, Director Marketing & Products Business bei Vodafone, sind präventive Vorbereitungen ein wichtiger Faktor im Umgang mit Bedrohungen. Dazu gehören Schulungen, regelmäßige Übungen sowie klar festgelegte Abläufe und Krisenstäbe. „Aber Krisen brauchen auch klare Kommandostrukturen. Da gibt es noch Verbesserungsbedarf in der Politik, den Behörden und bei den Betreibern kritischer Infrastruktur“, sagte Hacke. KI habe die Angriffsfläche extrem vergrößert, und es sei Aufgabe jedes Unternehmens, in Cybersecurity zu investieren.

„Die meisten Krisen passieren, weil Lösungen nicht gepatcht waren. Wenn ich keine Schwachstelle in der Software habe, kommt KI auch nicht rein“, sagt Dr. Philipp Trinius, CTO bei der Deutschen Telekom Security GmbH. Unternehmen müssten die operative Sicherheit ernst nehmen. Und, das sei die gute Nachricht, „wir können KI genauso nutzen wie die Angreifer, um Cyberattacken zu erkennen und zu verhindern“.

Alle müssen bereit sein

IT-Sicherheit sei die eine Seite, sagt Dr. Christoph Hübner, Präsident bei der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS). Man müsse aber auch den Mitarbeitern vertrauen können. „Der Risikofaktor Mensch ist immer da. Ob in der Verwaltung oder im Unternehmen, jedem muss klar sein, dass Sicherheit uns allen dient“, so Hübner.

Für Staatssekretär Jarzombek ist das veränderte Mindset das Entscheidende: „Wir müssen aus der Naivität aufwachen. Ja, es geht um den Schutz der kritischen Infrastruktur, aber jeder Haushalt, jede Kamera kann eine Waffe gegen andere und einen selbst sein. Wir leben nicht mehr in der friedlichen Welt, in der wir uns vor zehn Jahren noch wähnten. Jeder Einzelne muss bereit sein.“

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