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13. – 15. Okt. 2026

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Vom Kopfsteinpflaster zur Datenplattform: Prags Weg zur Smart City

Prag verbindet die historische Stadt mit moderner Mobilität, offenen Daten und intelligenter Infrastruktur, um den Alltag der Menschen spürbar leichter und kommunale Prozesse effizienter zu machen.

Luftaufnahme von Prag mit dichtem Wald im Vordergrund und historischen Gebäuden mit kupfergrünen Dächern rechts

Prag verbindet Stadt und Natur, Kultur und Technologie. Foto: privat

Wie wird eine historisch gewachsene Metropole zur Smart City? Prag setzt nicht auf ausgefallene Einzelprojekte, sondern auf das Zusammenspiel von Daten, digitalen Services und intelligenter Infrastruktur. Die tschechische Hauptstadt nutzt Technologie gezielt, um Mobilität zu vereinfachen, Ressourcen effizienter einzusetzen und Entscheidungen auf eine bessere Datengrundlage zu stellen.

Das Besondere an der Smart City Prag ist, dass Daten aus unterschiedlichen Bereichen zusammengeführt und für konkrete kommunale Aufgaben genutzt werden – vom öffentlichen Verkehr über die Abfallentsorgung bis zur Straßenbeleuchtung.

Was macht Prag zu einer Smart City?

Die Grundlage der Prager Smart-City-Entwicklung bildet die Strategie Smart Prague 2030. Sie konzentriert sich insbesondere auf Mobilität und öffentlichen Raum, Umwelt, Energie und Gebäude sowie auf die technologische und organisatorische Infrastruktur der Stadt.

Technologie soll dabei nicht zum Selbstzweck werden. Die Strategie richtet Innovationen an konkreten Bedürfnissen der Stadt aus und sieht vor, neue Lösungen zunächst zu testen, systematisch auszuwerten und anschließend gegebenenfalls in den regulären Betrieb zu überführen.

Eine zentrale Rolle übernimmt die städtische Gesellschaft Operátor ICT. Sie betreibt wichtige digitale Angebote der Hauptstadt und arbeitet dabei eng mit der Stadtverwaltung, den 57 Prager Stadtbezirken, kommunalen Unternehmen und weiteren öffentlichen Einrichtungen zusammen.

Golemio: Die gemeinsame Datenplattform der Stadt Prag

Das Herzstück der digitalen Stadtentwicklung ist Golemio, die Datenplattform der Stadt Prag. Sie integriert Informationen aus verschiedenen kommunalen Systemen und stellt Werkzeuge zur Speicherung, Analyse, Visualisierung und Bereitstellung von Daten zur Verfügung.

Dazu gehören beispielsweise Informationen über den öffentlichen Verkehr, Straßenbeleuchtung, Abfallbehälter oder auch Umweltmessungen. Diese gemeinsame Datengrundlage unterstützt Verwaltung, Stadtbezirke und kommunale Unternehmen dabei, Entwicklungen besser zu verstehen und Entscheidungen datenbasiert vorzubereiten.

Golemio ist dabei eine sehr offene Plattform: Öffentliche Datensätze können über Schnittstellen abgerufen und von Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder Entwicklerinnen und Entwicklern für eigene Anwendungen genutzt werden. Teile der technischen Architektur und des Quellcodes wurden ebenfalls veröffentlicht.

Damit schafft Prag nicht nur Transparenz – die Stadt baut zugleich eine digitale Infrastruktur auf, auf der neue Services entstehen können, ohne dass für jedes Projekt eine vollständig separate Datenlösung entwickelt werden muss.

PID Lítačka: Digitale Mobilität aus einer Hand

Besonders sichtbar wird die Smart City Prag im öffentlichen Verkehr. Mit der App PID Lítačka bündelt Prag zentrale Mobilitätsangebote für die Stadt und die umliegende Region.

Über die Anwendung lassen sich Verbindungen planen, aktuelle Abfahrten und Verkehrsstörungen abrufen sowie Fahrkarten kaufen. Darüber hinaus können Nutzerinnen und Nutzer Abonnements verwalten, Haltestellen und Umsteigepunkte anzeigen lassen und Parkgebühren bezahlen.

Busse, Straßenbahnen, Metro, Züge und weitere Angebote des integrierten Verkehrsverbunds werden damit nicht mehr als getrennte Systeme behandelt. Die App führt Informationen, verschiedene Verkehrsmittel und Bezahlfunktionen an einem Ort zusammen.

Prag entwickelt PID Lítačka zudem schrittweise zu einer umfassenderen Mobility-as-a-Service-Plattform weiter. In einem Pilotprojekt werden auch Angebote wie Bike-, Car- und Ridesharing über eine gemeinsame Registrierung und Bezahlfunktion zugänglich.

Smarte Abfallentsorgung: Sensoren melden den Füllstand

Auch die Abfallentsorgung ist Teil der digitalen Stadtentwicklung. In Prager Wertstoffcontainern erfassen IoT-Sensoren den aktuellen Füllstand und übermitteln die Informationen an ein digitales System.

Auf dieser Grundlage kann die Stadt besser erkennen, welche Behälter geleert werden müssen. Eine spezielle Anwendung unterstützt dabei, Abholrouten bedarfsgerecht zu planen. Das soll unnötige Fahrten reduzieren, überfüllte Container vermeiden und die kommunale Abfallentsorgung effizienter organisieren.

Das ursprünglich als Pilotprojekt gestartete System wurde nach der erfolgreichen Erprobung in den regulären Betrieb übernommen und erheblich ausgeweitet. Laut Smart Prague sind mittlerweile mehr als 7.000 Sensoren installiert.

Das Beispiel zeigt konkret, wie Prag Smart-City-Technologien versteht: Ein Sensor allein macht noch keine Stadt intelligent. Erst durch die Verbindung mit Datenanalyse, kommunalen Prozessen und konkreten Entscheidungen entsteht ein praktischer Nutzen.

Intelligente Straßenbeleuchtung als urbane Infrastruktur

Auch Straßenlaternen erhalten in Prag zusätzliche Funktionen. Auf dem Karlínské náměstí, einer Parkanlage, hat die Stadt ein Sensornetz aus modernisierter öffentlicher Beleuchtung getestet. Die Lampen sparen nicht nur Energie, sondern erfassen auch Daten über die Umwelt und den Stadtverkehr.

Insgesamt umfasste das Projekt 92 Leuchten. Sensoren konnten unter anderem Informationen zu Luftqualität, Temperatur, Wetterbedingungen, Lärm oder Verkehrsaufkommen liefern. Prag untersuchte darüber hinaus, wie sich Straßenlaternen perspektivisch mit Ladepunkten für Elektrofahrzeuge verbinden lassen.

Gerade dieser experimentelle Charakter ist für die Smart City Prag typisch: Die Stadt erprobt technische Möglichkeiten zunächst in einem begrenzten Umfeld, sammelt Daten zu ihrer Wirkung und entscheidet anschließend, ob das Projekt über die gesamte Stadt ausgerollt wird.

Digitale Bürgerdienste statt zusätzlicher Behördengänge

Die Smart-City-Strategie umfasst neben Infrastruktur und Mobilität auch digitale Verwaltungsangebote. Der Portál Pražana, das digitale Bürgerportal der Hauptstadt, bietet Zugang zu kommunalen Dienstleistungen und soll persönliche Behördengänge teilweise ersetzen.

Mit der App „Změňte.to“ können Bürgerinnen und Bürger zudem Schäden oder Probleme im öffentlichen Raum melden und Verbesserungsvorschläge einreichen. Damit verbindet Prag digitale Services mit direkter Beteiligung an der Stadtentwicklung.

Smart City bedeutet in Prag damit nicht nur, bestehende Prozesse technisch zu optimieren. Digitale Angebote sollen auch den Kontakt zwischen Bevölkerung und Verwaltung vereinfachen.

Warum Prags Smart-City-Ansatz besonders ist

Prags besondere Stärke liegt in der Verbindung verschiedener Projekte. Die Stadt betrachtet Mobilität, Umwelt, Daten und Verwaltung nicht als voneinander getrennte Digitalisierungsfelder.

Die Datenplattform Golemio schafft eine gemeinsame technische Grundlage. Anwendungen wie PID Lítačka übersetzen diese Infrastruktur in leicht zugängliche Services. Sensoren in Abfallbehältern oder Straßenlaternen liefern zusätzliche Informationen für den städtischen Betrieb.

So entsteht schrittweise ein urbanes System, in dem Daten mehrfach genutzt werden können und digitale Projekte nicht als isolierte Insellösungen bestehen bleiben.

Smart City mit Pragmatismus statt Technikshow

Prag zeigt, dass sich auch eine historische Stadt mit engen Straßen, denkmalgeschützten Gebäuden und gewachsenen Infrastrukturen digital weiterentwickeln kann. Die Metropole muss dafür nicht vollständig neu entwickelt werden.

Stattdessen nutzt Prag vorhandene Strukturen intelligenter, verknüpft Daten aus unterschiedlichen Bereichen und testet neue Lösungen unter realen Bedingungen. Technologie bleibt dabei häufig im Hintergrund – ihre Wirkung wird jedoch im Alltag sichtbar: durch einfachere Mobilität, effizientere Entsorgung, bessere Informationen und digital zugängliche Verwaltungsleistungen.

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