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Vom Datenschatz zur besseren Stadt: Smart City Canberra

Digitale Services, offene Daten und eine vernetzte Verkehrsplanung: Canberra setzt auf Technologie, die den Alltag einfacher macht - warum Smart City vor allem eine Frage guter Stadtentwicklung ist.

Blick auf die Stadt Canberra mit modernen Gebäuden, einem See und umgebenden Hügeln im Hintergrund

Stadtansicht Canberra, Hauptstadt von Australien. Foto: AdobeStock

Australiens Hauptstadt gehört zu den internationalen Vorreitern intelligenter Stadtentwicklung. Die strategische Grundlage dafür liefert die ACT Digital Strategy des Australian Capital Territory. Fünf Bereiche stehen darin im Mittelpunkt:

- nutzerorientierte Verwaltungsservices
- ein verantwortungsvoller Umgang mit Daten
- datenbasierte Stadtplanung
- die Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Wissenschaft
- eine Verwaltung, die ihre eigenen digitalen Fähigkeiten kontinuierlich weiterentwickelt.

Auch in Canberra gilt: Digitalisierung wird nicht als separates IT-Projekt behandelt, sondern mit Stadtentwicklung und Verwaltungsmodernisierung verbunden. Digitale Services werden gemeinsam mit Nutzerinnen und Nutzern entwickelt und getestet. Gleichzeitig sollen Daten helfen, Canberra langfristig lebenswerter, nachhaltiger und widerstandsfähiger zu gestalten.

Mit der Organisation Digital Canberra, die im vergangenen Jahr aufgebaut wurde, bündelt die Regierung diese Aufgaben zusätzlich – von digitalen Verwaltungsangeboten und Datenstrategie bis zu Cybersicherheit und digitaler Infrastruktur.

Eine Verwaltung mit digitaler Eingangstür

Wie das konkret aussieht, zeigt der ACT Digital Account. Über ein zentrales Konto können die Bewohnerinnen und Bewohner verschiedene Verwaltungsleistungen online beantragen und bezahlen. Dahinter steht ein einfaches Prinzip: Bürgerinnen und Bürger sollen sich nicht durch die Organisationsstruktur einer Verwaltung arbeiten müssen, um eine Leistung zu erhalten, sondern mit wenigen Klicks finden, was sie suchen.

Auch für die Verwaltung selbst steckt darin Potenzial. Gemeinsame digitale Plattformen reduzieren Doppelstrukturen und vereinfachen Prozesse. Im aktuellen ACT-Haushalt nennt Digital Canberra deshalb ausdrücklich das Ziel, Verwaltungsangebote einfacher, schneller und zugänglicher zu machen und gleichzeitig den administrativen Aufwand für die Bevölkerung und Verwaltung gleichermaßen zu reduzieren.

Offene Daten werden zur Infrastruktur

Canberra setzt außerdem früh auf Open Data. Über das zentrale Open Data Portal stellt die Verwaltung Datensätze zur öffentlichen Nutzung bereit. Sie können von Verwaltung, Forschung, Unternehmen und Entwickler verwendet werden und schaffen damit eine Grundlage für neue Analysen und digitale Anwendungen.

Ein Beispiel dafür ist das Smart-Parking-Projekt im Stadtteil Manuka. 460 Infrarotsensoren erfassten die Belegung von Parkplätzen in Echtzeit. Digitale Anzeigen und die App ParkCBR führen Autofahrerinnen und -fahrer gezielter zu Parklücken und reduzieren damit Suchverkehr und Reisezeiten. Über eine Schnittstelle können die ermittelten Daten dazu noch ausgewertet werden.

Der konkrete Smart-City-Gedanke steckt nicht im Sensor, sondern im Zusammenspiel von Daten, konkretem Anwendungsfall und dem offenen Zugang.

Mobilität als Teil der Stadtentwicklung

Auch beim Ausbau des öffentlichen Verkehrs denkt Canberra langfristig. Das Light-Rail-Netz, also der öffentliche Nahverkehr, wird kontinuierlich erweitert. Die nächste Ausbaustufe soll unter anderem neue Wohn-, Geschäfts- und öffentliche Räume erschließen und die wachsende Stadt besser vernetzen. Canberra rechnet bis 2060 mit mehr als 780.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Zukünftiger Verkehrsüberlastung soll damit schon jetzt frühzeitig entgegenwirkt werden.

Ein Detail sticht dabei technologisch besonders hervor: Die bestehende Flotte an Straßenbahnen wurde mit Batteriespeichern ausgerüstet. Dadurch können die Fahrzeuge auf einem Abschnitt der neuen Strecke ohne Oberleitung fahren. Das ermöglicht moderne Verkehrsinfrastruktur auch dort, wo das Stadtbild besondere Anforderungen stellt.

Was andere Städte von Canberra lernen können

Canberra zeigt, dass eine Smart City nicht mit einem abgesonderten Einzelprojekt beginnt. Entscheidend ist vielmehr die Verbindung von digitaler Verwaltung, offenen Daten, Mobilität, Infrastruktur und Stadtplanung, die einer gemeinsamen Strategie folgen.

Davon können auch europäische Städte profitieren. Technologie entfaltet ihren größten Nutzen dort, wo sie ein konkretes Problem löst – einen Verwaltungsweg verkürzt, Daten für bessere Entscheidungen nutzbar macht oder Mobilität verlässlicher gestaltet. Und wo digitale Stadtentwicklung nicht allein Aufgabe der IT-Abteilung ist, sondern Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtgesellschaft gemeinsam betrifft.

Vielleicht ist genau das Canberras wichtigstes Smart-City-Learning: Eine Stadt wird nicht smart, weil sie mehr Technologie einsetzt. Sondern weil sie Technologie dort einsetzt, wo sie das Leben in der Stadt besser macht.

Digitalisierung, Digitale Zukunft, Smart Mobility , Smart City , Open Data, Zukunftsstadt , Stadtentwicklung
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