Gastbeitrag NEGZ: Wie wird der Deutschland-Stack zukunftsfähig?
Vier wissenschaftliche Kurzstudien untersuchen zentrale Zukunftsfragen des Deutschland-Stacks und geben Impulse für die Weiterentwicklung der digitalen Verwaltung in Deutschland.

Abbildung: Vier wissenschaftliche Kurzstudien des NEGZ untersuchen zentrale Zukunftsfragen des Deutschland-Stacks. Quelle: NEGZ
Der Deutschland-Stack soll zur zentralen Infrastruktur der digitalen Verwaltung in Deutschland werden. Er soll digitale Lösungen besser miteinander verbinden, Wiederverwendung von Komponenten fördern und Bund, Länder sowie Kommunen bei der digitalen Transformation unterstützen. Doch welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit diese Infrastruktur langfristig leistungsfähig, anpassungsfähig und nachhaltig nutzbar bleibt?
Diesen Fragen widmet sich das Panel „Wie wird der Deutschland-Stack zukunftsfähig? Wissenschaftliche Perspektiven auf Infrastruktur, Governance und Wandel“ am Dienstag, 13. Oktober 2026, von 14:45 bis 15:15 Uhr auf der Purple Stage in Halle 26 der Smart Country Convention.
Wissenschaftlicher Transfer als Aufgabe des NEGZ
Im Mittelpunkt stehen die vier vom NEGZ · Kompetenznetzwerk Digitale Verwaltung für den Zeitraum 2026 bis 2027 geförderten Kurzstudien, die derzeit erarbeitet werden. Die Ergebnisse sollen bis Mitte 2027 vorliegen und wichtige wissenschaftliche Impulse für die Weiterentwicklung des Deutschland-Stacks liefern. Das Panel bietet damit die Gelegenheit, einen frühen Einblick in aktuelle Forschungsarbeiten und zentrale Fragestellungen zu erhalten, die die Zukunft der digitalen Verwaltungsinfrastruktur prägen.
Die Kurzstudien werden vom Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Transfer des NEGZ begleitet. Das NEGZ fördert den Austausch zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Politik und unterstützt den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis der Verwaltungsmodernisierung. Vom NEGZ geförderte Kurzstudien greifen grundsätzlich aktuelle Fragestellungen der digitalen Transformation auf und sollen neue Impulse für die fachliche und politische Weiterentwicklung der digitalen Verwaltung liefern.
Governance einer lernenden Infrastruktur
Die Kurzstudie von Prof. Dr. Isabell Peters von der Technischen Hochschule Wildau zusammen mit Dr. Tobias Schröter und Anuschka Siegers von DOMBERT Rechtsanwälte untersucht, wie der Deutschland-Stack als lernende Infrastruktur institutionell gesteuert werden kann. Im Fokus stehen Governance-Strukturen, die föderale Beteiligung, verbindliche Nutzung und kontinuierliche Weiterentwicklung miteinander verbinden. Dazu werden rechtswissenschaftliche und verwaltungsinformatische Perspektiven zusammengeführt. Besonderes Augenmerk liegt darauf, wie Feedback aus Nutzung und Betrieb systematisch aufgenommen, priorisiert und in Entscheidungen über die Weiterentwicklung des Deutschland-Stacks überführt werden kann.
Organisationale Anpassungsfähigkeit und Wandel
Die Studie von Dr. Michael Koddebusch von der Universität Münster und Susanne Kaletta richtet den Blick auf die organisatorischen Voraussetzungen erfolgreicher Verwaltungsdigitalisierung. Ausgangspunkt ist die These, dass Fortschritte häufig weniger an fehlenden Technologien als an überholten Routinen, Rollenbildern und Entscheidungslogiken scheitern. Die Forschungsarbeit entwickelt daher ein Konzept für organisationale Anpassungsfähigkeit durch sogenanntes „Unlearning“. Mit einem digitalen „Decision Lab“ sollen bestehende Denkmuster und Entscheidungsroutinen sichtbar gemacht und reflektiert werden. Die Studie verbindet Ansätze aus Verwaltungsinformatik, Organisationsforschung und Transformationsmanagement.
Der Deutschland-Stack im Anwendungsfeld Planen und Bauen
Wie lässt sich die bislang generische Architektur des Deutschland-Stacks in konkrete Verwaltungsbereiche übersetzen? Dieser Frage widmet sich die von Stefanie Köhl vorgestellte Studie des Stein-Hardenberg Instituts, der Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Verwaltung e. V. und der Technischen Hochschule Mittelhessen. Anhand des Anwendungsfelds Planen und Bauen wird untersucht, wie digitale Planungs- und Genehmigungsverfahren in eine domänenspezifische Plattformarchitektur eingebettet werden können. Die Studie verbindet Verwaltungswissenschaft, Plattformforschung und Bauinformatik und analysiert, wie bestehende Standards und Initiativen in ein kohärentes Referenzmodell integriert werden können. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie der Deutschland-Stack im besonders relevanten Bereich Planen und Bauen praktisch wirksam werden kann.
Open Source, Community und digitale Souveränität
Die vierte, von Nico Giessmann vorgestellte Kurzstudie der Universität zu Lübeck, der MACH AG und dem Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) untersucht das Open-Source-Ökosystem der öffentlichen Verwaltung. Im Mittelpunkt stehen die auf openCode verfügbaren Softwareprojekte sowie die dahinterstehenden Communities. Die Studie analysiert verwendete Programmiersprachen, Softwarepakete, Architekturmuster und bestehende Abhängigkeiten. Gleichzeitig wird untersucht, welche Akteure das Ökosystem prägen und welche Rückschlüsse sich daraus für die Weiterentwicklung eines souveränen und nachhaltigen Deutschland-Stacks ziehen lassen. Die Perspektive vereint Softwaretechnik, Plattform-Governance und Forschung zu digitaler Souveränität.
Vier Perspektiven, eine gemeinsame Zukunftsfrage
Die Diskussion um den Deutschland-Stack steht noch am Anfang. Gerade deshalb lohnt sich der Austausch zwischen Forschung, Verwaltung und Politik. Welche Steuerungsmodelle sind tragfähig? Wie können Verwaltungen ihre Anpassungsfähigkeit stärken? Welche Architekturansätze schaffen den größten Nutzen in der Praxis? Und wie lässt sich digitale Souveränität nachhaltig absichern? Die Antworten auf diese Fragen werden nicht allein in Strategiepapieren oder Technologieprojekten entstehen, sondern im Dialog zwischen wissenschaftlicher Analyse und praktischer Umsetzung. Das Panel bietet Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern aus Verwaltung, Politik und öffentlichen IT-Organisationen die Möglichkeit, frühzeitig Einblicke in neue Forschungsansätze zu erhalten, Perspektiven mit den Autorinnen und Autoren zu diskutieren und Impulse für die Weiterentwicklung des Deutschland-Stacks mitzunehmen.