EUDI-Wallet: So verändert die digitale Identität Behördengänge in Europa
Die EUDI-Wallet bringt die digitale Identität aufs Smartphone: für sichere Behördengänge, Nachweise und Signaturen – europaweit, nutzerfreundlich und datensparsam.

Im Januar startet die EUDI-Wallet. Foto: AdobeStock
Ausweisen, einen Führerschein vorzeigen oder ein Zeugnis einreichen – was heute oft noch mit unterschiedlichen Dokumenten und Anwendungen verbunden ist, soll in Zukunft digital über eine Wallet auf dem Smartphone möglich werden. Die European Digital Identity Wallet, kurz EUDI-Wallet, ist ein Kernelement des europäischen Rahmens für digitale Identitäten.
Mit ihr können Nutzerinnen und Nutzer ihre Identität nachweisen, digitale Dokumente und verifizierte Nachweise speichern und gezielt weitergeben. Auch elektronische Signaturen sollen in Zukunft möglich sein. Die Nutzung ist freiwillig.
Für Deutschland ist eine staatliche EUDI-Wallet-App geplant, die ab Anfang 2027 bereitstehen soll.
Vom digitalen Ausweis bis zum Zeugnis
Die EUDI-Wallet soll deutlich mehr sein als ein digitaler Personalausweis. Geplant sind unter anderem die sichere Identifizierung über Personendaten (PID), digitale Nachweise wie Führerscheine oder Zeugnisse sowie elektronische Signaturen. Perspektivisch sind auch pseudonyme Anwendungen und Zahlungsfunktionen geplant.
Entscheidend ist dabei das Prinzip der Datensparsamkeit: Nutzerinnen und Nutzer sollen selbst bestimmen können, welche Informationen sie an wen weitergeben. So kann beispielsweise die Volljährigkeit bestätigt werden, ohne das genaue Geburtsdatum offenzulegen.
Was bringt die EUDI-Wallet für Bürgerinnen und Bürger?
Der Mehrwert liegt vor allem darin, digitale Prozesse einfacher und medienbruchfrei zu gestalten. Behördengänge, Vertragsabschlüsse oder Identitätsprüfungen können künftig direkt über das Smartphone erledigt werden. Nachweise müssen dazu nicht immer wieder neu hochgeladen oder auf Papier eingereicht werden, sondern können von unterschiedlichen Behörden und Institutionen digital abgerufen werden.
Gleichzeitig soll die EUDI-Wallet europaweit interoperabel funktionieren. Wer sich mit ihr identifiziert oder einen digitalen Nachweis nutzt, soll dies damit auch grenzüberschreitend bei unterstützten öffentlichen und privaten Diensten im Ausland tun können. Dafür wurden und werden gemeinsame europäische Standards geschafften.
Warum die EUDI-Wallet für die öffentliche Verwaltung wichtig wird
Für Verwaltungen ist die Wallet nicht nur ein zusätzliches digitales Angebot. Die reformierte eIDAS-Verordnung schafft einen verbindlichen europäischen Rahmen für die digitale Identität. Gleichzeitig bleibt die Nutzung für Bürgerinnen und Bürger freiwillig – alternative Zugangswege müssen weiterhin bestehen bleiben.
Die Wallet eröffnet Behörden außerdem die Möglichkeit, verifizierbare digitale Nachweise auszustellen und Nachweise aus Wallets direkt in Verwaltungsverfahren zu übernehmen. Qualifiziert signierte oder gesiegelte Nachweise können dabei den Prüfaufwand reduzieren – Stichwort auch hier: Datensparsamkeit.
BundID und EUDI-Wallet: zwei Lösungen, die zusammenspielen
In Deutschland spielt die BundID eine wichtige Rolle bei der Anbindung der öffentlichen Verwaltung. Während sie schon jetzt als Bürgerkonto für die Identifizierung und Authentifizierung und als Zugang zum Bürgerpostfach dient, soll die EUDI-Wallet Identitäten und digitale Nachweise verwalten und nutzbar machen. Die BundID kann damit eine Schnittstelle zwischen Verwaltung und Wallet bilden.
Ab dem 2. Januar 2027 soll die Identifizierung mit der EUDI-Wallet möglich sein, heißt es aus dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung. Voraussetzung dafür ist, dass schon eine Anbindung an die BundID besteht. Parallel sind auch direkte Anbindungen, etwa über einen Wallet-Adapter, in Planung.
Ein Baustein für den digitalen Staat
Die EUDI-Wallet verbindet digitale Identität, Datenschutz und interoperable Verwaltungsservices. Für Bürgerinnen und Bürger kann sie Behördengänge vereinfachen. Für Verwaltungen bietet sie die Chance, Nachweis- und Identifizierungsprozesse stärker zu digitalisieren und zu automatisieren. Damit wird sie zu einem wichtigen Baustein für die nächste Entwicklungsstufe des digitalen Staates – und zu einem entscheidenden Thema, das Verwaltungen, öffentliche Unternehmen und die Digitalwirtschaft gleichermaßen betrifft.
Anfang Juli hat das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung im Vorfeld der Smart Country Convention ein Webinar rund um die EUDI-Wallet abgehalten. Die zugehörige Präsentation gibt es hier zum Download.
Die EUDI-Wallet wird auch auf der Smart Country Convention 2026 ein großes Thema sein – so ist unter anderem am Mittwoch, den 14. Oktober eine Session zu digitalen Identitäten und der EUDI-Wallet geplant.