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Digitale Gesundheitsversorgung auf dem Land

Digitale Gesundheitsversorgung auf dem Land

Mit 500.000 Einwohnern und einer Fläche so groß wie das Saarland gehört der Landkreis Osnabrück zu den eher dünn besiedelten Regionen in Deutschland. Kreisrätin Bärbel Rosensträter sieht sich nicht nur mit einer alternden Bevölkerung, sondern auch mit einer alternden Ärzteschaft konfrontiert. Viele Mediziner werden in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. Um dennoch die Versorgung der Bevölkerung zu sichern, rief ihr Landkreis bereits vor fünf Jahren das Projekt Gesundheitsregion Osnabrück ins Leben. Um Ärzte zu entlasten, soll qualifiziertes medizinisches Personal wie Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis (VERAH) und Nicht-ärztliche Praxisassistenten (NäPa) einen Teil der Aufgaben am Patienten übernehmen. Ausgestattet mit einem Rucksack mit medizinischen Geräten messen sie beispielsweise bei Hausbesuchen Vitalparameter der Patienten und schalten bei Auffälligkeiten per Tablett einen Arzt hinzu. Auf der Smart Country Convention 2019 forderte Kreisrätin Bärbel Rosensträter, dass erfolgreiche Pilotprojekte, die es in vielen Regionen bereits gebe, in die Regelversorgung übernommen werden, um knappe Versorgungsressourcen besser zu nutzen.

Telematik-Infrastruktur, Künstliche Intelligenz und Wearables

Unterstützung erfuhr sie dabei von Dr. Ariane Berger vom Deutschen Landkreistag. In einer Umfrage unter Kommunen kristallisierte sich unter anderem die Notfallversorgung als eine wichtige Herausforderung heraus. Durch die elektronische Patientenakte könnten die Daten des Patienten bereits vor Eintreffen eines Notfalls an das Krankenhaus gesendet werden. Damit dies gelinge, brauche es eine flächendeckende und sektorenübergreifende  Ausstattung mit einer entsprechenden Telematik-Infrastruktur, um Datenportabilität und –sicherheit zu gewährleisten. 

Prof. Dr. Udo Janßen, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, sprach von einem Wandel im Klinikwesen von „Alleskönnern“ zu hochspezialisierten Kompetenzzentren, in denen die Expertise zu bestimmten Bereichen gebündelt werde. Der Qualitätsanspruch von Patienten habe seiner Ansicht nach zugenommen. Man müsse sie als mündige Partner in den Behandlungsprozess einbeziehen. Künstliche Intelligenz und Wearables würden künftig noch stärker Mediziner bei der Diagnostik unterstützen, auch wenn die Ärzte letztlich weiterhin die Entscheidungen für die Behandlung träfen.

Bernd Altpeter, Gründer der Deutschen Instituts für Telemedizin und Gesundheitsförderung (DITG) und Entwickler digitaler Patienten-Management-Programme, hat die Erfahrung gemacht, dass die Skepsis bei Ärzten gegenüber digitalen Lösungen abnehme, wenn die Kostenübernahme für digital erbrachte Leistungen geklärt sei. Sogenannte „early adopters“ würden seiner Ansicht nach die Digitalisierung im Gesundheitsweisen vorantreiben.

„Erste Praxis ohne Arzt“

Aufsehen erregte Dr. Tobias Gantner von Telemedicon mit seiner ersten „Praxis ohne Arzt“, die er kürzlich in einem baden-württembergischen Dorf eröffnete, in dem es keinen niedergelassenen Arzt mehr gibt. Darin bedienen medizinische Fachangestellte und Arztassistenten telemedizinische Geräte und führen ergänzende ärztliche Tätigkeiten aus. Ärzte werden per Videokonferenz bei Bedarf hinzugeschaltet. Das Ziel dabei ist, die wertvolle Arztzeit sinnvoll zu nutzen und auf diese Weise die Anschlussfähigkeit ländlicher Regionen zu sichern.

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