Singapur als Vorbild: 5 Impulse für Smart Cities in Deutschland
Singapur verknüpft staatliche Steuerung, digitale Infrastruktur und lebendige Smart-City-Projekte zu einem gemeinsamen Zielbild. Fünf Impulse zeigen, wie deutsche Städte davon profitieren können.

Singapur ist die smarteste Stadt der Welt und für den weltweiten Smart City Index an. Foto: Pixabay
Singapur setzt beim Thema Smart City auf eine umfangreiche Staatsstrategie statt vieler Einzelmaßnahmen. Gesteuert wird das ganzheitliche Projekt vom Ministry of Digital Development and Information (MDDI). Dieses Bündnis aus Digitalisierung, Informations- und Kommunikationspolitik treibt vier zentrale Bereiche voran: Wirtschaft, Verwaltung, Sicherheit und Gesellschaft – und gestaltet gleichzeitig die digitale Infrastruktur des Stadtstaats.
2024 wurde die Smart Nation 2.0-Vision vorgestellt, bei der drei Leitziele im Zentrums stehen: Growth (Wachstum), Community (Gemeinschaft) und Trust (Vertrauen). Technologie soll Mehrwerte schaffen, gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern und digitales Vertrauen stärken – statt ein Selbstzweck zu sein.
1. Smartes Alltagsleben: praktische Services für Bürgerinnen und Bürger
Ein bekanntes Beispiel ist SingPass, das digitale Identitätssystem in Singapur. Über eine einzige Plattform erhalten die Bürgerinnen und Bürger Zugang zu staatlichen und privaten Diensten – von der Terminbuchung bei Behörden bis zur Gesundheitsakte. SingPass dient heute als digitaler Schlüssel für Millionen Transaktionen pro Jahr und ist integraler Teil staatlicher Services.
Ebenso erleichtern Smart Parking-Lösungen mit Echtzeit-Informationen und bargeldlosen Zahlungen den Alltag, während barrierefreie Routen-Services Menschen mit Rollatoren, Rollstuhl oder Kinderwagen gezielt unterstützen.
2. Datenplattformen und digitale Infrastruktur
Ein herausragendes Pilotprojekt ist der Punggol Digital District (PDD) – ein Stadtteil, der Arbeiten, Lernen und Leben mit digitaler Infrastruktur verknüpft. Hier bildet die Open Digital Platform (ODP) das digitale Rückgrat, das verschiedene Systeme integriert, Daten in Echtzeit bündelt und damit Ressourceneffizienz, Gebäudemanagement und städtische Services optimiert.
Der ODP-Ansatz geht weit über punktuelle Sensorik hinaus: Er schafft eine flexible Basis für digitale Anwendungen, die skalierbar sind und als Modell für andere Stadtteile dienen können – eine lebendige „Living Lab“-Umgebung, in der Innovationen getestet und direkt am urbanen Lebensraum erprobt werden – hier wird nicht unter Laborbedingungen getestet, sondern direkt im Livebetrieb Lösungen ausprobiert, optimiert und evaluiert.
3. Mobilität & urbane Services – datengetrieben und integrativ
Singapur nutzt Verkehrsdaten nicht nur zur Planung und Organisation, sondern um die städtische Mobilität stetig zu verbessern: Echtzeitdaten von Bussen, Bahnen und shared mobility-Diensten werden vernetzt, um Staus zu reduzieren, Verbindungen zu verbessern und umweltfreundliche Verkehrsalternativen zu stärken.
Formen von autonomer Mobilität, intelligente Signalanpassungen und intermodale Buchungsdienste zeigen, wie eng vernetzte digitale Services in der Fläche funktionieren können – nicht als Insellösung, sondern als Teil eines städtischen Gesamtsystems.
4. KI-Strategien für die Gesellschaft
Mit der National AI Strategy 2.0 setzt Singapur auf künstliche Intelligenz, um Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft zu stärken. KI-Anwendungen werden nicht nur genutzt, um die Arbeit in Behörden und Institutionen zu beschleunigen, sondern gezielt dafür, einen gesellschaftlichen Nutzen zu schaffen – etwa durch personalisierte Services oder intelligente Datenanalyse zur Verbesserung von öffentlichen Dienstleistungen.
5. Teilhabe und digitale Gemeinschaft
Smart City ist in Singapur kein exklusives Projekt für „Early Adopter“. Programme wie „Digital for Life“ zielen darauf ab, digitale Kompetenzen über Generationen hinweg zu fördern, digitale Zugänge alltagsfreundlich zu gestalten und niemanden auszuschließen – eine wichtige Ergänzung zur technologischen Infrastruktur. Die digitale Transformation kann nur gelingen, wenn der größtmögliche Anteil der Bevölkerung daran teilhaben und davon profitieren kann.
Fünf Impulse für deutsche Smart Cities
1. Strategische State-Wide-Governance etablieren: klare Verantwortlichkeiten wie MDDI schaffen Fokus und stärken Verbindungen.
2. Digitale Infrastruktur als Ressource denken: Datenplattformen statt Insellösungen bündeln Nutzen.
3. Citizen-Centric Services entwickeln: Alltagserleichterung statt Technologie um der Technologie willen.
4. Innovation im realen Raum testen: Living Labs wie Punggol zeigen Wege zur systematischen Skalierung unter realen Bedingungen.
5. Inklusion und digitale Teilhabe fördern: Smart City muss für alle funktionieren, nicht nur für Technik-Affine.
Fazit
Singapur ist kein 1:1-Modell für deutsche Städte, bietet aber zahlreiche konkrete Beispiele, wie Smart Cities gelingen, wenn Vision, Projekte und gesellschaftlicher Nutzen zusammengedacht werden. Deutsche Smart Cities können daraus praktische Ableitungen für ihre eigene Entwicklung ziehen – für mehr Effizienz, Lebensqualität und Innovationskraft vor Ort.