Veranstalter:
Bitkom
Messe Berlin
Datum der Veranstaltung:
13. - 15. Okt
Smart Country Convention
13. - 15. Okt
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Seoul’s Smart City: Echtzeit-Daten, Bürgerbeteiligung und digitale Verwaltung

Die südkoreanische Hauptstadt Seoul zeigt, wie eine Megacity mit Echtzeit-Daten, IoT-Mobilität, öffentlichem Netz und digitaler Bürgerbeteiligung nicht nur effizienter, sondern auch lebenswerter wird.

Luftaufnahme von Seoul mit zahlreichen Hochhäusern und Wohngebäuden im Abendlicht

Seoul zeigt, wie Echtzeitdaten, IoT und digitale Teilhabe in einer Smart City konkret umgesetzt werden. Foto: Pixabay

Seoul gilt weltweit schon lange als Vorreiter im E-Government und hat schon mehrfach Auszeichnungen für die weltbeste digitale Verwaltung bekommen. Es ging allerdings nie nur um Online-Formulare oder Terminbuchungen: Die Stadt hat ihren Vorsprung genutzt, um eine ganzheitliche digitale Steuerung der Verwaltung aufzubauen. Über die sogenannte Digital Mayor’s Office Platform werden Verwaltungsprozesse, Leistungserbringung und Datenanalysen gebündelt, um Entscheidungen auf Basis von aktuellen Daten zu treffen und Services effizienter anzubieten. Echtzeit-Dashboards zeigen zum Beispiel Verkehrsdaten, Sicherheits- und Umwelt-Messwerte an und unterstützen dadurch politische Entscheidungen genauso wie Maßnahmen in der Stadt. Bürgerinnen und Bürger können sich über Chatbots wie Seoul Talk direkt mit der Verwaltung austauschen oder Services buchen – inklusive automatischer Beantwortung von Fragen und Beschwerden.

Das Besondere: Seoul verknüpft nicht nur Daten, sondern nutzt sie auch, um Politik proaktiv zu gestalten – etwa indem Analysen zeigen, wo Infrastruktur fehlt, wo Engpässe entstehen oder welche Services besonders gebraucht werden.

Echtzeit-Daten und IoT-Netzwerke als Rückgrat der Smart City

Ein technisches Rückgrat der Smart City Seoul ist das Smart Seoul Data of Things (S-DoT)-Netzwerk: Über tausende IoT-Sensoren sammelt die Stadt 17 unterschiedliche Datenarten aus der urbanen Umwelt – von Luftqualität über Lärm bis zur Anzahl von Menschen an bestimmten Orten. Diese Daten fließen in Echtzeit in zentrale Systeme und erlauben, die Vorgänge in der Stadt unmittelbar zu beobachten, zu analysieren und darauf zu reagieren.

Praktisch bedeutet das:

• Behörden erkennen Belastungen durch Feinstaub oder Lärm, bevor sie von Bürgerinnen und Bürgern gemeldet werden.

• Verkehrsanalysen in Echtzeit können Ampelschaltungen beeinflussen, um Staus zu verhindern.

• Daten zur Bevölkerungsdichte in Innenstadtbereichen helfen bei Sicherheit oder Sauberkeit.

S-DoT ist damit nicht nur ein technisches Instrument, sondern ein Basiswerkzeug für strategische Stadtplanung — die Daten werden auch öffentlich zur Verfügung gestellt, sodass Entwickler oder Startups eigene Anwendungen darauf aufsetzen können.

Smart Mobility: IoT-gestützte Verkehrssteuerung und smarte Infrastruktur

Mobilität ist eines der sichtbarsten Smart-City-Themen in Seoul. Verkehrsflüsse, ÖPNV-Kapazitäten, Fußgänger- und Radwege werden in Echtzeit erfasst und gesteuert, was beispielsweise den Pendlerverkehr entlastet und den Verkehr insgesamt effizienter macht. Die Stadt nutzt Daten aus Sensoren, Kameras und mobilen Systemen, um Verkehrsspitzen vorherzusagen und dynamisch auf sie zu reagieren.

Ein zentraler Baustein sind dabei Smart Poles. Das sind multifunktionale Masten, die Straßenbeleuchtung, Verkehrssensorik, intelligente Videoüberwachungssysteme, öffentliches Wi-Fi und weitere IoT-Elemente vereinen. Sie liefern nicht nur Mobilitäts- und Sicherheitsdaten, sondern bieten auch Dienste wie Informationsanzeigen oder Notrufsäulen.

Darüber hinaus testet Seoul zunehmend autonome Verkehrstechnologien und vernetzte Verkehrssysteme, die in Zukunft weit über klassische Verkehrsmanagementsysteme hinausgehen könnten.

Öffentliche Netze und digitale Inklusion: Wi-Fi, Sicherheit und Zugang für alle

Ein häufig unterschätzter Erfolgsfaktor von Seoul ist die breite digitale Infrastruktur: Die Stadt betreibt ein riesiges öffentliches Wi-Fi-Netzwerk an und baut es ständig aus. Dieses Netz dient nicht nur der Internet-Anbindung für alle Bewohnerinnen, Bewohner, Touristinnen und Touristen, sondern ist auch die Grundlage für viele Smart-City-Dienste – etwa die Übertragung von Sensor-Daten, die Echtzeit-Steuerung der IoT-Geräte und digitale Services für bedürftige Personen.

Mit dem Ausbau intelligenter Videoüberwachungssysteme -Systeme und Wi-Fi-Hotspots in öffentlichen Räumen schafft Seoul zugleich eine digitale Sicherheitsarchitektur, die etwa bei der schnellen Ortung vermisster Personen hilft oder im Notfall Unterstützung ermöglicht.

Diese Infrastruktur ist nicht nur ein technisches Netzwerk – sie ist Teil einer Strategie für digitale Teilhabe: Menschen sollen unabhängig von Einkommen oder Gerät Zugang zu grundlegenden digitalen Diensten haben.

Bürgerbeteiligung und neue Formen der Mitgestaltung

In Seoul endet Smart City nicht bei Technologie, sondern beginnt bei den Menschen in der Stadt. Es wurden eine Reihe von Partizipations-Tools etabliert, über die Bürgerinnen und Bürger an Entscheidungsprozessen direkt beteiligt werden: von öffentlichen Anhörungen über Online-Foren bis zu Innovationswettbewerben, bei denen die Bürgerinnen und Bürger neue Serviceideen einreichen und bewerten können.

Ein Beispiel hierfür sind spezielle Programme, in denen Stadtprojekte durch Bürgerbewertungen beeinflusst werden oder digitale Plattformen, über die Vorschläge gesammelt und priorisiert werden. Das schafft nicht nur Transparenz, sondern auch Vertrauen, weil Menschen sehen, dass ihre Beiträge eine direkte Auswirkung auf das Leben und Entscheidungen in der Stadt haben.

Learnings für europäische Verwaltungen

Was können Städte und Verwaltungen in Europa aus Seouls Erfahrungen mitnehmen?

• Echtzeit-Daten nutzen statt nur sammeln: Daten haben nur dann Wert, wenn sie in operative und strategische Entscheidungen einfließen und nicht nur archiviert werden.

• Infrastruktur als Gemeingut denken: Öffentliches Netz, Sensorik und Wi-Fi sind keine Luxusgüter, sondern Basis für moderne Stadtservices.

• Partizipation digital denken: Digitale Beteiligung muss niedrigschwellig, transparent und wirksam sein, sonst wird sie nicht genutzt.

• Serviceorientierte Verwaltung: Verwaltung ist kein Selbstzweck – sie muss auf Service und Nutzererlebnis ausgerichtet sein.

Verfasst von: Luisa Gerlach

Bürgerbeteiligung, Stadtentwicklung, Zukunftsstadt , Digitale Zukunft, Digitale Verwaltung, Digitaler Wandel, Digitalisierung, Smart City
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