Österreich macht es vor
Von der e-Signatur über die Anonymisierung von Gerichtsakten mit KI bis zum e-Learning-Tool – vier Unternehmen zeigen technische Innovationen aus dem digitalen Vorreiterland.

Expert:innen auf dem Panel „Spotlights aus Österreich“ diskutieren auf der SCCON 2025 über digitale Innovationen im öffentlichen Sektor. Foto: Messe Berlin
Hohe technische Qualität, ein feines Gespür für die tatsächlichen Bedürfnisse der öffentlichen Hand und in vielen Bereichen mit Benchmarkt-Charakter im internationalen Vergleich – so schwärmte Maria Derler, Handelsattachée bei der Österreichischen Botschaft, beim Panel „Spotlights aus Österreich“ von den IT-Firmen in ihrem Heimatland. In welchen Bereichen das Land Vorreiter bei der Digitalisierung im öffentlichen Sektor ist, zeigten die Unternehmen, die ihre Innovationen in Sachen E-Government vorstellten.
Mehr als 500 Anwendungen laufen in Österreich über die ID Austria, von der Wohnsitzänderung über den Steuerausgleich bis zu Abfragen in der Gesundheitsakte. Der Vertrauensdiensteanbieter A-Trust und das Softwareunternehmen Rubicon ermöglichen gemeinsam die qualifizierte elektronische Signatur für die ID Austria. „Mit 15 Millionen Signaturen pro Monat sind wir der Signaturdienst für die Verwaltung in Österreich“, sagte Markus Vesely, CEO bei A-Trust.
98 Prozent aller Schriftstücke könnten mit der qualifizierten e-Signatur (QES) der handschriftlichen Unterschrift gleichwertig unterschrieben werden, so Vesely. Eine sichere Lösung: „Wir haben zu hundert Prozent physische Server in Österreich, nichts in der Cloud, nichts außerhalb der EU. Gerade in heutigen Zeiten merken wir, was das für ein hohes Gut ist“, sagte Vesely.
Gerichtsurteile mit KI anonymisieren
Der Schutz persönlicher Informationen ist auch bei Frederick Bednar, Senior Data Science Consultant bei Ebcont, entscheidend. Der IT-Dienstleister sprach zum Thema „KI-basierte Datenanonymisierung: Wie personenbezogene Inhalte geschützt und Inhalte nutzbar werden“ über ein Projekt seines Unternehmens für das österreichische Bundesjustizministerium (BMJ). „Unser Auftrag war es, sensible Daten in Rechtsdokumenten zu anonymisieren und die Inhalte so auf breiter Ebene nutzbar zu machen“, erklärte Bednar.
„Das BMJ saß da auf einem wertvollen Datenschatz von Rechtsdokumenten im Millionenbereich, der zum Teil bis ins Jahr 1945 zurückreichte. Aber um ihn nutzbar zu machen, mussten die Dokumente oft noch von Hand geschwärzt werden“, so der IT-Experte. Mit Hilfe von KI-Systemen gelang es Ebcont, die Dokumente zu kategorisieren, zu anonymisieren bzw. pseudonymisieren und dabei die Lesbarkeit zu erhalten. „Die Ergebnisgenauigkeit lag bei mehr als 90 Prozent“, sagte Bednar. Dafür gab es den eAward 2022 im Bereich „Machine Learning und künstliche Intelligenz”.
Befähigung zur Verteidigung
Oliver Esser, Senior Key Account bei M.I.T. e-Solutions, machte deutlich, wie wichtig für die digitale Resilienz im Public Sector Kompetenzen in den Themen KI und Cybersecurity für die digitale Resilienz im Public Sector sind. „Jeder muss wissen, dass er Teil der Verteidigung ist. Eine Kommune, die regelmäßig Cyber-Drills durchführt, ist wie eine Feuerwehr, die den Brandfall übt“, sagte Esser. Er stellte die Lernplattform „LONA“ mit mehr als 200 Kursen vor, auch zum Thema IT-Sicherheit, und die in Österreich bereits breit eingesetzte App diggi.skills zur digitalen Kompetenzförderung. „Nur befähigte Mitarbeitende garantieren die Handlungsfähigkeit. Das sichert nicht nur Systeme, sondern auch das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger“, so der e-Learning-Experte.