Digitaler Bürgermeister im Einsatz: 3 Monate KI-Avatar für den Bürgerservice in Büttelborn
Die Gemeinde in Hessen testet einen KI-Avatar ihres Bürgermeisters, der rund um die Uhr Bürgeranfragen beantwortet und das mehrsprachig, barrierearm und direkt auf der Website.

Bürgermeister Marcus Merkel beantwortet als KI-Chatbot Bürgeranfragen. Foto: Gemeinde Büttelborn
In der Gemeinde Büttelborn beantwortet seit Dezember ein ungewöhnlicher Helfer Fragen der Bürgerinnen und Bürger: ein digitaler Avatar von Bürgermeister Marcus Merkel. Auf der Website der Gemeinde können sie mit dem KI-gestützten Video-Avatar sprechen oder ihre Fragen eintippen – und erhalten direkt eine Antwort.
Damit gilt Merkel als erster Bürgermeister in Deutschland mit einem eigenen KI-Video-Avatar. Der digitale Zwilling greift auf eine Wissensdatenbank mit öffentlich verfügbaren Informationen der Gemeindeseite sowie häufig gestellten Bürgerfragen zurück. So liefert er beispielsweise Auskünfte zu Öffnungszeiten des Rathauses, Zuständigkeiten in der Verwaltung oder zu Formularen und Abläufen.
Ziel des Projekts ist es, Informationen rund um die Gemeinde einfacher zugänglich zu machen und gleichzeitig die Mitarbeitenden der Verwaltung zu entlasten.
Büttelborner reagieren neugierig und positiv
Die Resonanz in Büttelborn ist überwiegend positiv. Viele Menschen sprechen den Bürgermeister direkt auf das Projekt an – häufig mit einem Augenzwinkern. „Die Menschen wollen meistens scherzhaft wissen, ob der echte Herr Merkel oder der Avatar vor ihnen steht“, berichtet der Bürgermeister. Insgesamt erkenne die Leute aber schnell den praktischen Nutzen für den Bürgerservice.
Der Avatar ist rund um die Uhr erreichbar und kann Bürgerfragen unabhängig von Öffnungszeiten beantworten – ein klarer Vorteil gegenüber klassischen Informationsangeboten im Rathaus oder auf der Website.
Vier Monate von der Idee zum Livegang
Von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung vergingen rund vier Monate. Ein großer Teil der Arbeit floss in die inhaltliche Vorbereitung. Gemeinsam mit KI-Berater Stefan Klink aus Büttelborn wurde eine strukturierte Wissensdatenbank aufgebaut.
Dabei ging es nicht nur darum, Informationen zu sammeln, sondern typische Bürgerfragen verständlich aufzubereiten und fachlich korrekt zu hinterlegen. „Uns war wichtig, dass der digitale Service zuverlässig antwortet und die Qualität der Informationen dem Anspruch unserer Verwaltung entspricht“, sagt Merkel.
Das Ergebnis ist ein System, das auf häufige Fragen schnell reagieren kann und gleichzeitig transparent macht, wenn zu einem Thema noch keine Informationen hinterlegt sind.
Persönlich statt anonym: Warum der Bürgermeister selbst zum Avatar wurde
Dass ausgerechnet der Bürgermeister selbst zum digitalen Ansprechpartner wurde, war eine bewusste Entscheidung. Die Idee entstand in der Zusammenarbeit mit dem Projektpartner – mit einem klaren Ziel: Digitale Angebote sollen nicht unpersönlich wirken.
Als Bürgermeister sei er für viele Bürgerinnen und Bürger eine vertraute Person, so Merkel. „Man kann mir auf der Straße begegnen und mir die Hand geben. Diese Authentizität wollten wir bewusst nutzen.“
Der Avatar verbindet damit persönliche Ansprache mit digitalem Service: Er ist rund um die Uhr erreichbar, versteht aktuell 28 Sprachen und hilft Menschen, sich schnell auf der Website der Gemeinde zurechtzufinden.
Konkrete Langzeiterfahrungen oder belastbare Zahlen gibt es bisher noch nicht, dafür sei das Projekt noch zu jung. „Aber wir sehen bereits, dass Hemmschwellen sinken, wenn Menschen Informationen in ihrer Muttersprache erhalten“, betont Merkel.
Ein lernendes System mit Entwicklungspotenzial
Noch kann der Avatar nicht alles. Persönliche Anliegen, individuelle Vorgänge oder Aktenfragen kann er bewusst nicht bearbeiten, da keine personenbezogenen Daten verarbeitet werden.
Auch technisch ist die Lösung erst der Anfang. Aktuell antwortet der Avatar ausschließlich per Sprache. Künftig sollen zusätzlich Textausgaben integriert werden, sodass Links, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen direkt angezeigt und kopiert werden können.
Für Bürgermeister Merkel ist das Projekt deshalb vor allem eines: ein lernendes System. Die Wissensdatenbank wird kontinuierlich erweitert – und mit jedem neuen Eintrag wächst auch der digitale Bürgerservice der Gemeinde.
Büttelborn zeigt, wie Kommunen KI-Technologien einsetzen können, um Informationen zugänglich zu machen, Barrieren abzubauen und gleichzeitig die Verwaltung zu entlasten. Noch mehr zukunftsweise Beispiele aus der Verwaltung gibt es vom 15. bis 17. Oktober 2026 auf der Smart Country Convention in Berlin.