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„Der Faktor Mensch ist die größte Baustelle“

Drei Menschen bei einer Podiumsdiskussion

So prophezeit das Panel auf der Smart Country Convention den Stadtwerken eine rosige Zukunft. Wie bei allen Transformationsprozessen komme es auch bei der Energiewende auf die Menschen an. „Die technischen Lösungen sind recht einfach, das Mammutprojekt ist, alle mitzunehmen auf dem Weg“, sagte Sebastian Greiber, Bürgermeister der saarländischen Gemeinde Wadgassen bei der Session „Digitale Energiewende – so transformieren sich Stadtwerke und Kommunen“ auf der Smart Country Convention. Der Change Prozess umfasse alle Bereiche der Kommunen, die Verwaltung ebenso wie jeden einzelnen der rund 18.500 Einwohnerinnen und Einwohner seiner Gemeinde. „Digitalisierung ist kein EDV-Projekt. Es geht um Prozesse, um Menschen, die Dinge anders handhaben, das muss als Idee überall ankommen“, so Greiber.

Paul Dittrich, Gründer und Geschäftsführer der urban energy GmbH, rät den Kommunen, sich gutes Projektmanagement und klare Kommunikation von Unternehmen abzuschauen, auch Projektgesellschaften könnten helfen, Dinge schneller voranzubringen. „Es braucht Mut und entsprechendes Commitment“, sagte Dittrich. Für Bürgermeister Greiber geht Change nur über Partizipation, auch wenn das viel Zeit koste. „Man muss die Mitarbeitenden auch mal machen lassen, ihnen was zutrauen und ihre Ideen dann auch einbinden.“

Wadgassen habe deshalb bewusst die Smart City-Strategie nicht bei den Führungskräften angesiedelt, sondern auf Sachbearbeiterebene. „Diese Smarties dürfen alles auf den Kopf stellen und Prozesse verändern. Sie haben so direkten Einfluss auf die Zukunft ihres Arbeitsplatzes“, so Greiber. Das mache die Kommune für Fachkräfte attraktiv. Außerdem rät der Bürgermeister dazu, Themen zu finden, bei denen schnell kleine Erfolge und der Mehrwert für alle zu sehen sind. „Daraus kann ein Flächenbrand entstehen und auch andere fangen an, Dinge zu hinterfragen und sich einzubringen.“

Visualisierung ist für CO2-Experte Dittrich neben flexiblen Netzen eine Lösung beim volatilen Energieerzeugen, denn auch der Verbrauch müsse flexibler werden. „Tests haben belegt: Zeigt man Menschen, wie sich der CO2-Verbrauch in den nächsten Tagen entwickelt, werden sie dazu inspiriert, zehn bis 15 Prozent des Energieverbrauchs zu reduzieren.“ Das will Wadgassen auch in seinen Kitas und Schulen nutzen: Den Schülerinnen und Schülern etwa zu zeigen, welchen Effekt eine anders gesteuerte Heizung oder weniger elektrisches Licht haben kann, „vermittelt eine enorme Kompetenz an die nächste Generation“, die dann auch Eltern und Großeltern sensibilisiert.

Energie wandelt sich immer mehr vom Versorgungsthema auch zum Sicherheitsthema, da waren sich die beiden Diskutanten einig. Auch hier gehe es um Kompetenzvermittlung: Alle müssen wissen, wie sie zur Sicherheit beitragen könnten. „Der Faktor Mensch ist da als Fehlerquelle die größte Baustelle“, warnte der Bürgermeister.

Zum Abschluss sagte Greiber den Stadtwerken gerade in der Krise eine Renaissance voraus. Als regionale Energieerzeuger und -versorger werden die Stadtwerke zu lokalen Ansprechpartnern, zu einer Bastion, auf die die Bürger sich verlassen können. Das gebe ihnen einen ganz anderen Stellenwert.

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