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Smart City Index 2022: Hamburg bleibt Spitzenreiter

Nächtliche Großstadtlichter von oben

Der Smart City Index ist das Digitalranking der deutschen Großstädte, welcher den Fortschritt der Digitalisierung misst. Expertinnen und Experten vom Bitkom erfassen dabei rund 11.000 Datenpunkte in fünf Themenbereichen und werten diese aus, darunter Online-Bürgerdienste, Sharing-Angebote für Mobilität oder auch die Breitbandverfügbarkeit. Städte ab 100.000 Einwohnern werden im Smart City Index unter die Lupe genommen. Pro Stadt wurden 133 Parameter berechnet. Der Index aus dem vergangenen Jahr hat gezeigt, dass alle Städte Fortschritte bei der Digitalisierung gemacht haben, das Tempo dabei aber variiert.

Hamburg verteidigte 2022 knapp seinen Spitzenplatz, gefolgt von München und Dresden. „In den Städten herrscht ein enormer digitaler Tatendrang und niemand will sich auf dem Erreichten ausruhen. Eine aktuell gute Platzierung ist kein Garant für ein gutes Abschneiden im kommenden Jahr“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg bei der Vorstellung der Ergebnisse im Vorfeld der Smart Country Convention. Erfolgsfaktoren für eine Smart City sind nach wie vor eine engagierte Stadtverwaltung und Lokalpolitik, klare Strukturen, ein starkes Netzwerk vor Ort und die Beteiligung der Bevölkerung. „Unabhängig von der Größe und der Finanzkraft einer Stadt ist entscheidend, dass Politik und Verwaltung anpacken. Es braucht den Willen und die Fähigkeit, in der gesamten Stadt Begeisterung für die Digitalisierung auszulösen“, so Berg.

Nord, Süd und Ost unter den Top 3

Mit 86,1 von 100 Punkten trägt Hamburg zum vierten Mal in Folge den Titel als smarteste Stadt Deutschlands. München liegt nur knapp dahinter auf dem zweiten Platz mit 85,3 Punkten. Dresden verbessert sich auf den dritten Platz mit 81,6 Punkten. Nürnberg, Aachen und Düsseldorf sind neu in den Top 10. Große Städte und Universitätsstädte schneiden im Durchschnitt besser ab als kleinere Städte und solche ohne Universität, zeigt der Smart City Index 2022.

Themenbereich Verwaltung

Laut Onlinezugangsgesetz sollten bis Ende 2022 alle knapp 600 Verwaltungsleistungen digital verfügbar sein. In der Realität sind aktuell nur etwa ein Fünftel flächendeckend zugänglich. Die Verwaltungsdigitalisierung in Deutschland liegt weit hinter den Zielen des OZG zurück. Umfragen zeigen, dass viele Menschen die Behörden als überlastet und langsam empfinden. Die Mehrheit der Deutschen fordert eine stärkere Verfolgung der Digitalisierung in ihrer Stadt oder Gemeindeverwaltung.

In den deutschen Großstädten haben sich aber einige Fortschritte ergeben: Termine können in 66 Prozent der Behörden online vereinbart werden, die Kfz-Zulassung ist in 91 Prozent der Großstädte digital möglich und verschiedene andere Dienstleistungen können ebenfalls online erledigt werden. Auch bei der Nutzung von Serviceportalen, E-Payment und Chatbots ist ein Anstieg zu erkennen - trotzdem bleibt noch viel zu tun, um die Digitalisierung der Verwaltung voranzutreiben.

Führend im Bereich Verwaltungsdigitalisierung war im vergangenen Jahr Nürnberg mit 87,3 Punkten vor Heilbronn und Düsseldorf.

Themenbereich IT und Kommunikation

In rund 68 Prozent der deutschen Haushalte gibt es Breitbandanschlüsse mit einer Geschwindigkeit von mindestens 1.000 Mbit/s. Nur 18 Prozent verfügen dagegen über Glasfaseranschlüsse. Auch wenn es sich manchmal anders anfühlt: Das 5G-Netz deckt knapp 80 Prozent der bundesweiten Fläche ab. Die Ansprüche der Mobilfunknutzer sind hoch – 98 Prozent achten auf eine gute Netzabdeckung und 91 Prozent legen Wert auf schnelles Surfen.

In den Großstädten haben 80 Prozent der Haushalte einen Breitbandanschluss mit mindestens 1.000 Mbit/s, während der Glasfaserausbau auch hier nur langsam voranschreitet. 5G und die IoT-Netzwerktechnologie LoRaWAN sind in allen Großstädten verfügbar. Mehr als ein Drittel (35 Prozent) der befragten Städte nutzen Smart City Dashboards, um Bürgerinnen und Bürger über Umwelt- und Verkehrsdaten zu informieren und weitere 27 Prozent planen Smart City Dashboards einzuführen.

Mit Blick auf die Themen IT und Kommunikation führten 2022 Gelsenkirchen (88,1 Punkte), München und Hamburg die Top 10 an.

Themenbereich Energie und Umwelt

Nachhaltigkeit und Energiesparen gewinnen immer mehr an Bedeutung. 80 Prozent der Deutschen haben ihr Verhalten im Umgang mit Strom und Energieverbrauch inzwischen geändert. Intelligente Geräte mit denen Strom gespart werden kann, interessieren 62 Prozent der Menschen, während 57 Prozent an Smart Metern, digitalen, internetfähigen Messgeräten für Wärme oder Strom, interessiert sind. Auch Elektromobilität wird immer beliebter, 10 Prozent der Deutschen denken darüber nach, innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Elektroauto zu kaufen. Die meisten von ihnen wollen ihr Elektroauto an öffentlich zugänglichen Ladesäulen aufladen.

In Großstädten setzen 64 Prozent adaptive Straßenlaternen ein, die den Energieverbrauch reduzieren können. Smart Poles, die als WLAN-Zugangspunkte oder Ladestationen dienen, werden in mehr als der Hälfte der Städte (52 Prozent) eingesetzt. Weitere 28 Prozent der Städte nutzen Straßenlaternen mit Photovoltaik-Modulen. Intelligente Umweltsensoren werden von 73 Prozent der Städte eingesetzt. Elektrofahrzeuge machen in den Großstädten 1,4 Prozent der zugelassenen Fahrzeuge aus, während der Anteil an Ladestationen seit 2019 auf fast 10.000 gestiegen ist. In Großstädten sind mehr reine Elektrobusse (8 Prozent) als Hybridbusse (6 Prozent) im Einsatz und insgesamt wollen fast alle Städte (95 Prozent) weitere emissionsarme Busse anschaffen.

Im Bereich Energie und Umwelt führte Paderborn mit 87,3 Punkten das Ranking der deutschen Großstädte im vergangenen Jahr an. Ulm und Trier landeten mit einigem Abstand (80,1 Punkte, 79,8 Punkte) auf den Plätzen zwei und drei.

Themenbereich Mobilität

Die Mobilitätswende ist in Deutschland in vollem Gange und hat unser Mobilitätsverhalten grundlegend verändert. Die Hauptgründe dafür sind die Klimakrise, das 9-Euro-Ticket, gestiegene Benzinpreise und auch die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Alternative Mobilitätsangebote werden deshalb immer beliebter, insbesondere Sharing-Angebote und On-Demand-Dienste wie Ride Pooling (Fahrgemeinschaften) und Ride Hailing (u.a. Uber).

Intelligente Ampeln und digitale Zahlungsmöglichkeiten sind in vielen Städten vorhanden, ebenso wie WLAN im Nahverkehr. Autonome Fahrzeuge werden vermehrt im ÖPNV eingesetzt und auch Carsharing mit Elektrofahrzeugen ist deutschlandweit weit verbreitet. Vom Bus in die Bahn aufs Leihrad oder ins Sharing-Auto, das geht mit so genannten multimodalen Apps. Sie werden immer häufiger genutzt, um verschiedene Mobilitätsangebote in den Städten zu verknüpfen und auch alternative Fahrzeuge wie Lastenräder oder E-Fahrzeuge werden in den Städten ausprobiert, um den Lieferverkehr in den Innenstädten zu verringern.

Nürnberg führte in Sachen Mobilität den Smart City Index 2022 mit 94,2 von 100 Punkten an. Hamburg und Berlin und München landen mit ebenfalls mehr als 90 Punkten (93,7, 92,2 und 91,4 Punkte) auf den Folgeplätzen.

Themenbereich Gesellschaft

Die Digitalisierung der Städte soll auch die digitale Teilhabe aller sozialen Gruppen fördern. Eine große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger (87 Prozent) betrachtet die Digitalisierung als Chance, einschließlich 71 Prozent der über 75-Jährigen. Es besteht jedoch weiterhin ein hoher Bedarf an Unterstützung: 83 Prozent wünschen sich eine Förderung digitaler Medien- und Informationskompetenzen entlang der gesamten Bildungskette. 71 Prozent fordern barrierefreie digitale Angebote, zum Beispiel durch eine einfache Bedienung und Erklärungen in leichter Sprache.

In den Großstädten verlagert sich die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zunehmend in den digitalen Raum. Fast zwei Drittel der Großstädte verfügen über eine Bürgerbeteiligungsplattform, und etwa ebenso viele ermöglichen es ihren Bürgerinnen und Bürgern, Ratssitzungen online live zu verfolgen. In den meisten Großstädten gibt es FabLabs oder Maker Spaces, in denen Technikbegeisterte eigene Projekte realisieren können, ohne die Geräte selbst anschaffen zu müssen. Coworking-Spaces sind nahezu überall vorhanden. Die Transparenz von Städten in Bezug auf Daten wird ebenfalls größer, mit einem wachsenden Anteil von Open-Data-Portalen und Geoportalen. Und auch der lokale Handel wird digitaler, mit einer steigenden Anzahl von Großstädten, die eine lokale Online-Handelsplattform haben.

Smart City Spitzenreiter Hamburg stand auch im Bereich Gesellschaft auf Platz eins mit 98,1 Punkten. Dresden und Düsseldorf folgten auf Platz zwei und drei.

Den gesamten Smart City Index 2022 zum Nachlesen finden Sie hier und die ausführlichen Ergebnisse des Smart City Indexes sind hier zusammengefasst.

Im September veröffentlicht der Bitkom den Smart City Index 2023.

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