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Autonome Busse oder eine App für alle?

Autonome Busse oder eine App für alle?

Forscher und Politiker haben auf der Smart Country Convention diskutiert, welche Möglichkeiten die Digitalisierung dort trotzdem eröffnet.

Millionen Menschen sind schon durch Ostprignitz-Ruppin gefahren, auf der Autobahn von Hamburg nach Berlin. Bleiben tun die wenigsten: Gerade einmal 100.00 Einwohner hat der Landkreis im Nordwesten Brandenburgs, er ist einer der fünf am dünnsten besiedelten in Deutschland. Die ideale Testregion also für ein Pilotprojekt des Bundesverkehrsministeriums: Wie lässt sich autonomes Fahren im ländlichen Raum nutzen?

Durch die Kleinstadt Wusterhausen/Dosse rollt nun ein Kleinbus, der theoretisch ohne Fahrer fahren kann. Praktisch müsse der mitfahrende „Operator“ allerdings noch sehr oft eingreifen, wie Werner Nüse, Stellvertretender Landrat des Landkreises, berichtete. Weil Falschparker im Weg stehen oder der Straßenbelag zu schlecht sei.

Autonom unterwegs – mit 15 km/h

Bei Starkregen oder Nebel fahre der „Easy Mile“ gar nicht, sonst eigentlich bis zu 45 Stundenkilometer schnell. Zugelassen sei er aber nur auf 15 km/h – weshalb er auch keine Verbindung zwischen Dörfern liefern könne, sondern nun in der Stadt eine Kurzstrecke zum Bahnhof bediene. Das Testprojekt werde noch eine Weile laufen, aber die erste Erkenntnis, die Nüse gewonnen hat, lautet: „Für den öffentlichen Nahverkehr ist das kein Ersatz, es kann aber eine Ergänzung sein.“ Allerdings unter der Voraussetzung, dass die Reisegeschwindigkeit steige: „Auf dem Land sind die Strecken lang.“

Und das ist das Dilemma, in dem der öffentliche Nahverkehr im ländlichen Raum stecke: lange Strecken, wenige Menschen, die noch dazu im Durchschnitt immer älter werden. Wie lässt sich hier Mobilität organisieren und was kann Digitalisierung dazu beitragen? Damit beschäftigte sich das Forum Digitale Ländliche Räume am dritten Tag der Smart Country Convention. Schnell wurde klar: Ein Allheilmittel werde es nicht geben, schon gar nicht, wenn es um klimafreundliche Modelle gehe.

Viel Platz für Ladesäulen

„Mobilität wird auf dem Land weitestgehend individuell bleiben“, sagte Jan Strehmann vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB). Denn: „Wo der ÖPNV ein Zuschussgeschäft ist, werden auch private Mobilitätsanbieter Schwierigkeiten haben.“ Daseinsvorsorge müsse es aber für alle geben und nicht nur auf ausgewählten Strecken. Mit Blick auf den Klimaschutz werde es auf dem Land eher um Car-Sharing-Modelle und neue Antriebsarten gehen – und da habe der ländliche Raum einen Vorteil: Ladekapazitäten für E-Mobilität ließen sich leichter ausbauen als in den von Raumnot geplagten Städten.

Eines, was alle Referenten forderten, ist die Vernetzung des öffentlichen Nahverkehrs – und zwar sowohl über Ländergrenzen hinweg als auch quer durch die Verkehrsangebote, wie Kristina Sinemus, Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung in Hessen, sagte. In Darmstadt teste ihr Land dazu eine multifunktionale App, die die verschiedenen Verkehrsmittel vom Fahrrad bis zur Bahn miteinander verknüpfe.

Bundesweite Vernetzung, pragmatische Lösungen

Wenn es in Deutschland 450 Verkehrsverbünde und Beförderungsunternehmen gebe, brauche man da nicht eine Plattform, die alle diese Angebote bündele, fragte Gerald Swarat, Leiter des Berliner Kontaktbüros des Fraunhofer IESE. Sein Kollege Steffen Hess forderte pragmatische Lösungen und nicht das Warten auf das eine große Ding. Bei alledem, so erinnerte Vize-Landrat Werner Nüse, komme man jedoch nicht umhin, den klassischen Verkehr für die Pendler zu verbessern: moderne Bahnstrecken, Ausbau von Autobahnen. Sonst zögen die Leute eben doch in den Ballungsraum.

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