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Presse-Information

23. November 2018

News von der Smart Country Convention: Tag 3

Themen:

  • Ein Appell zum Schluss: Closing Keynote von Bundesminister Dr. Helge Braun
  • „Glasfaser bis zur letzten Scheune“: Wie Kommunen den Breitband-Ausbau schaffen
  • Vom Verbraucher her denken: Was Deutschland in Sachen Digitalisierung des Energiesektors von Dänemark lernen kann
  • Smart Country Convention als „intelligente Vernetzung staatlicher und wirtschaftlicher Schnittstellen“

Ein Appell zum Schluss: Closing Keynote von Bundesminister Dr. Helge Braun

Mit einem dringenden Appell der Bundesregierung an Wirtschaft, Bürger und Verwaltung, die Digitalisierung in Deutschland gemeinsam voranzutreiben, ist die erste Smart Country Convention in Berlin zu Ende gegangen. „Lassen Sie uns Deutschland zu einem großen digitalen Erfolgsland machen“, sagte Prof. Dr. Helge Braun, Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramts, zum Abschluss am Donnerstag in Berlin.

„Alle müssen dynamisch mitarbeiten“, forderte Braun. An Wissen und Zielen mangele es nicht, sondern an der Umsetzungsgeschwindigkeit. Es helfe nicht, noch länger auf die Defizite der Vergangenheit zu schauen, sondern alle seien jetzt aufgerufen, Schwung in die Digitalisierung zu bringen. „Wenn wir in den nächsten drei Jahren nicht wach werden, dann geht das in die Hose.“

Die Bundesregierung fördere dieses Ziel auf mehreren Ebenen – etwa durch einfacheren Zugang zu Fördermitteln für den Glasfaserausbau oder den rechtlichen Anspruch jedes Bürgers auf einen Breitband-Anschluss ab 2025. Die Versteigerung der 5G-Mobilfunk-Frequenzen im kommenden Jahr werde „ein großer Wurf für die Infrastruktur“, prognostizierte Braun, weil die Bundesnetzagentur mit ihrer Ausschreibung den Anbietern „das maximal Ehrgeizige“ abverlange. Und auch die zusätzlichen drei Milliarden Euro, mit denen die Bundesregierung bis 2025 die Entwicklung Künstlicher Intelligenz fördere, seien Teil der Digitalisierungsstrategie der Regierung.

Der entscheidende Punkt sei aber, wie sich nicht nur Deutschland, sondern Europa zum Thema Datennutzung stelle, betonte Braun. Während in den USA große Unternehmen mit persönlichen Daten große Geschäfte machten und in China der Staat über Social Scoring die Digitalisierung zur Steuerung der Gesellschaft instrumentalisiere, gebe es in Europa ein starkes Bedürfnis der Bürger nach Selbstbestimmtheit. „Wir brauchen ein Datenrecht, das wirtschaftlichen Erfolg möglich macht, aber auch die Bedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigt“, sagte der Minister. Deutschland müsse ein modernes Land bleiben, das die Chancen der Digitalisierung nutzt, aber auch die persönliche Souveränität der Bürger achtet. Dafür müsse sich der Blick nach vorne richten. Wenn mehr über Jobverluste durch die Digitalisierung diskutiert werde als über die Chancen, dann werde man die Bevölkerung auf diesem Weg nicht mitnehmen.

„Glasfaser bis zur letzten Scheune“: Wie Kommunen den Breitband-Ausbau schaffen

50 Megabit pro Sekunde in ganz Deutschland – das hatte sich die Bundesregierung für den Breitband-Ausbau bis Ende 2018 zum Ziel gesetzt. Erreicht wurden bis Mitte des Jahres gerade mal 82 Prozent, und im ländlichen Raum kann sich gar nur jeder zweite Haushalt über die volle Datenleistung freuen. Abfinden muss man sich damit nicht: Kommunen können einiges tun, um die Entwicklung zu fördern.

„Es ist auch nicht so, dass nichts passiert wäre“, betonte Dr. Annette Schumacher vom Breitbandbüro des Bundes auf der Smart Country Convention. Die Fördermittel des Bundes würden inzwischen merklich stärker abgerufen – auch weil es den Kommunen inzwischen an vielen Punkten einfacher gemacht werde: Die Fördersummen seien angehoben worden, die Vergabeverfahren massiv verschlankt, die Schwellenwerte für Anträge gesenkt. Auch für unterversorgte Schulen, Krankenhäuser und Gewerbegebiete könnten Kommunen leichter an Bundesmittel kommen.

Das erste Bundesland, das die ihm zustehenden Fördermittel des Bundes vollständig abgerufen hat  war Mecklenburg-Vorpommern – weil die Landesregierung die Sache von Beginn an in die Hand nahm. „Glasfaser bis zur letzten Scheune“ sei schon 2015 das Ziel gewesen, sagte Eckhard Riege vom Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung in Schwerin. Um den Ausbau anschieben und steuern zu können, setzte das Land ein Ko-Finanzierungsprogramm auf und ließ dabei nicht die einzelnen Kommunen die Anträge stellen, sondern die zuständigen Landkreise. Das Bundesland wurde in 93 Projektgebiete aufgeteilt, das Breitbandkompetenzzentrum des Landes trug Informationen und Initiativen in die Kommunalpolitik.

Die Region Stuttgart hingegen setzt auf Public-Private Partnership. Über eine gemeinsame Ausschreibung für die 179 Kommunen und eine Kofinanzierung durch Kommunalpolitik und Wirtschaftsfördergesellschaften wurde die Deutsche Telekom als Partner gewonnen, wie Hans-Jürgen Bahde, Breitbandkoordinator der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, auf dem Panel „Glasfaserausbau: Potentiale und Hemmnisse auf kommunaler Ebene“ berichtete: Für insgesamt 1,6 Milliarden Euro wird das Unternehmen die Haushalte ans Glasfasernetz anschließen und dabei 1,1 Milliarden Euro selbst investieren; 500 Millionen Euro schießen die Kommunen zu.

Die Kommunen könnten aber auch einiges selbst tun, um den Breitbandausbau zu beschleunigen, betonte Martina Westhues, Senior Manager Public and Regulatory Affairs bei der Deutschen Telekom. Zum Beispiel den Unternehmen Katasterdaten bereitstellen und Behördengenehmigungen zügiger erteilten. Vor allem aber sollten sich Kommunen gegenüber alternativen Verlegungsmethoden öffnen. Insbesondere das Trenching-Verfahren, bei dem die Kabel nicht mehr im Tiefbau verlegt werden, sondern lediglich schmale Schlitze in den Asphalt gefräst werden, könnte ein wichtiger Hebel werden. Bisher aber zeigten sich zumindest im innerortlichen Ausbau 70 bis 80 Prozent der Tiefbauämter skeptisch.

Vom Verbraucher her denken: Was Deutschland in Sachen Digitalisierung des Energiesektors von Dänemark lernen kann

Im Jahr 2050 will Dänemark seinen Energieverbrauch vollständig aus erneuerbaren Energien stemmen. Ein ehrgeiziges Ziel, aber nicht unrealistisch, denn unser Nachbar im Norden arbeitet seit Jahrzehnten auf das Ziel einer grünen Gesellschaft hin: In den vergangenen 35 Jahren wuchs die dänische Wirtschaft um über 70 Prozent – der Energieverbrauch blieb aber gleich, und der Wasserverbrauch ging sogar um 40 Prozent zurück. Auch mit Hilfe von smarten Lösungen.

„Bis 2050 wollen wir in Dänemark CO2-neutral sein“, sagte Lars Christian Lilleholt, Minister für Energie, Versorgung und Klima. Das werde nur funktionieren, wenn Ressourcen noch effizienter genutzt werden – am besten über Ländergrenzen und ganz Europa hinweg. Und die Digitalisierung sei die Voraussetzung dafür: Um eine Niedrig-Emissionsgesellschaft zu etablieren, würden in Dänemark schon bis 2020 in allen Haushalten Smart Meters installiert, um den Energieversorger Daten zu liefern, mit deren Hilfe sich der Energieverbrauch besser steuern lasse.

Das Potenzial für Einsparungen sei enorm, sagte Jesper Daugaard von der dänischen Firma Kamstrup, die auf intelligente Energie- und Wassermessungen spezialisiert ist, auf dem Konferenzpanel „Smart Urban Solutions“. Allein in Dänemark liege es bei rund einer Million Euro pro Jahr. Die Voraussetzung sei eine umfangreiche Datenerhebung und Verbrauchsauswertung, am besten in Minutentakten, denn: „Was Sie nicht messen, können Sie nicht optimieren.“ Dafür brauche man aber das Vertrauen der Verbraucher, dass ihre Daten in guten Händen seien. Im Gegenzug könnten die Energieversorger viel Service liefern – zum Beispiel weil ihre Auswertungen ergeben, dass es im Sommerhaus einen Wasserrohrbruch geben könnte oder zu Hause eine Leitung undicht sei.

Insbesondere in Deutschland müsse man die Verbraucher viel stärker mitnehmen als bisher, forderte Martin Bornholdt von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF). „Energieeffizienz muss attraktiver werden, die Transaktionskosten müssen sinken.“ Und es gebe längst nicht genug Service für die Verbraucher: „Die Digitalisierung als Tool für die Energiewende muss auf den Verbraucher und seine Bedürfnisse ausgerichtet sein, vielleicht auch auf das Bedürfnis, nichts zu tun.“ Nicht jeder habe Lust, an 50 Reglern zu drehen, und lasse das lieber intelligente Geräte für sich machen. Daten- und IT-Sicherheit dienten in Deutschland aber „oft als Entschuldigung fürs Nichtstun“. Er sei überzeugt: „Wenn da ein Nutzen ist, dann kriegt man das mit der Sicherheit auch hin.“

Foto: Lars Christian Lilleholt, dänischer Minister für Energie, Versorgung und Klima

Smart Country Convention als „intelligente Vernetzung staatlicher und wirtschaftlicher Schnittstellen“

Wie vielseitig das Thema Digitalisierung ist, bewies die Keynote des dänischen Ministers für Energie, Forschung und Klima Lars Christian Lilleholt auf der Mainstage am Donnerstagmorgen. In seiner Rede appellierte er an eine konsequentere Umsetzung der Energiewende zum Erreichen der Energieziele. Dabei hob er die Chance hervor, die die Digitalisierung beim Einhalten der Energieziele bis 2030 biete. „Besonders bei der Integration von Windenergie können wir auf smarte Lösungsansätze zurückgreifen“, so Lars Christian Lilleholt. „Wir wollen Bürger aktiv an der Energiewende beteiligen und digital weiter ganz vorne dabei sein“.

In Bezug auf Deutschland versuchte er, dem Plenum die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen zu nehmen. „Die dänische Geschichte zeigt, dass Arbeitsplätze und Energiewende Hand in Hand gehen können. Wir haben unseren CO2 Wert um 30% gesenkt und dabei 73.000 Arbeitsplätze gehalten.“ Lars Christian Lilleholt ging ausführlich darauf ein, dass die Energiewende auch zu einem Wirtschaftswachstum führen könne. Mit digitalen Lösungen sei man in Dänemark heute schon bereits fähig, den Energiebedarf besser einschätzen zu können und so verstärkt auf grüne Technologien zu setzen. Solche Prozesse erfordern aber auch eine intelligente Vernetzung sämtlicher staatlichen und wirtschaftlichen Schnittstellen. Die Smart Country Convention sei eine solche Schnittstelle. Er würdigte zudem den engen Erfahrungsaustausch, der auf der Smart Country Convention vertretenen dänischen Unternehmen und Vertretern mit dem Fachpublikum und den anderen Austellern.

Foto: Opening Keynotes Digitalisierung der Energie- und Wärmeversorgung in Dänemark

Pressefotos der Smart Country Convention in druckfähiger Qualität finden Sie zum Download hier. Außerdem stellen wir Ihnen TV-Footage zur redaktionellen Verwendung zur Verfügung.Ausgewählte Sessions können Sie im Livestream hier verfolgen.

Die Smart Country Convention ist eine neue Veranstaltung rund um die Digitalisierung des Public Sector und wird vom Digitalverband Bitkom in Zusammenarbeit mit der Messe Berlin durchgeführt. Das dreitägige Event findet jedes Jahr im November auf dem Berliner Messegelände statt und bringt alle relevanten Akteure aus Verwaltung, Politik, Digitalwirtschaft, Verbänden und Wissenschaft zusammen. Als Kombination aus Congress, Workshops, Expo und Networking widmet sich die Smart Country Convention der Digitalisierung von Städten, Gemeinden und des öffentlichen Raums. Dabei geht es sowohl um die digitale Verwaltung als auch um die Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen in den Bereichen Energie, Mobilität, Sicherheit, Abfall, Wasser, Bildung, Gesundheit und Wohnen.

www.smartcountry.berlin

Bitkom vertritt mehr als 2.500 Unternehmen der digitalen Wirtschaft, davon gut 1.700 Direktmitglieder. Sie erzielen allein mit IT- und Telekommunikationsleistungen jährlich Umsätze von 190 Milliarden Euro, darunter Exporte in Höhe von 50 Milliarden Euro. Die Bitkom-Mitglieder beschäftigen in Deutschland mehr als 2 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zu den Mitgliedern zählen 1.000 Mittelständler, mehr als 400 Start-ups und nahezu alle Global Player. Sie bieten Software, IT-Services, Telekommunikations- oder Internetdienste an, stellen Geräte und Bauteile her, sind im Bereich der digitalen Medien tätig oder in anderer Weise Teil der digitalen Wirtschaft. 80 Prozent der Unternehmen haben ihren Hauptsitz in Deutschland, jeweils 8 Prozent kommen aus Europa und den USA, 4 Prozent aus anderen Regionen. Bitkom fördert und treibt die digitale Transformation der deutschen Wirtschaft und setzt sich für eine breite gesellschaftliche Teilhabe an den digitalen Entwicklungen ein. Ziel ist es, Deutschland zu einem weltweit führenden Digitalstandort zu machen.

Die Messe Berlin GmbH zählt zu den zehn umsatz- und wachstumsstärksten Messegesellschaften weltweit. Sie konzipiert, vermarktet und veranstaltet jedes Jahr hunderte von Liveevents in Berlin und auf der ganzen Welt. Zu ihrem breiten Portfolio gehören die globalen Marken und Leitmessen IFA, InnoTrans, ITB, FRUIT LOGISTICA und die Internationale Grüne Woche, ebenso, wie Großkonferenzen und herausragende Events, so zum Beispiel die Fanmeile am Brandenburger Tor. Mit rund 90 Auslandsbüros vertreibt die Messe Berlin ihre Veranstaltungen in über 170 Ländern. Allein bei den Veranstaltungen am Stammsitz unter dem Funkturm in Berlin akkreditieren sich jedes Jahr rund 30.000 Medienvertreter aus der gesamten Welt. Damit fördert und treibt die Messe Berlin die Entwicklung der Metropole Berlin. Ziel ist, auf allen Veranstaltungen der Messe Berlin den Besuchern ein herausragender Gastgeber zu sein, bestmögliche Geschäftsimpulse für den Einzelnen zu geben und faire Bedingungen für Jeden zu gewährleisten. Dieses Selbstverständnis spiegelt sich im Unternehmensmotto: Messe Berlin – Hosting the World.