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Smart Country News

28. Oktober 2020

Digitalisierung als Booster für die Verkehrswende

Digitalisierung als Booster für die Verkehrswende

Smarte Städte brauchen multimodale Mobilitätangebote. Doch Corona stärkt den Individualverkehr. Welche Maßnahmen müssen nun für eine Verkehrswende ergriffen werden? Antworten liefert das Panel „Mobilität im urbanen Raum“.

Überfüllte Straßen, lange Staus und schlechte Feinstaubwerte prägen das Bild vieler internationaler Großstädte. Mithilfe von KI und Big Data widmet sich Google nun diesem Problem. Mit der neuen CloudAuto ML bietet das Unternehmen die Möglichkeit, große Mengen von Verkehrsdaten auszuwerten. So analysierte Google in Kooperation mit dem Department of Transport in London eine Milliarde an Datensätzen über Entwicklungen von Staus in der britischen Hauptstadt. Verbunden mit Edge-Computing, welches die gesammelten Daten anonymisiert, gewannen Google so Erkenntnisse über die urbane Staubildung. „Anhand der Daten wurden die Ampelschaltungen angepasst, um zukünftige Staus zu verhindern“, sagte Ricardo Muñoz Núñez, Vertriebsbeauftragter Öffentliche Auftraggeber bei Google Germany. Mithilfe der Google CloudAuto ML stehen die Vorteile von KI nun Akteuren zur Verfügung, die wenig Vorkenntnisse in diesem Bereich besitzen. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: „Mit Google CloudAuto ML können wir Vorhersagen für bestimmte Phänomene treffen. Das funktioniert auch bei Hochwasser oder Parkplätzen“. Das Unternehmen Google will mit seinen neuen Cloudprojekten öffentliche und private Akteure bei der Verkehrswende unterstützen und ihnen helfen, große Datenmengen sinnvoll zu analysieren.

Verkehrswende stagniert wegen Corona-Pandemie

Dass digitale Tools bei der Verkehrswende von enormem Nutzen sind, hat der Anstieg von multimodalen Verkehrsangeboten in den vergangenen Jahren deutlich gezeigt. Ein Ziel der Verkehrswende ist der Klimaschutz. Dafür muss der Individualverkehr, also das Fahren mit dem eigenen PKW, durch multimodale Angebote ersetzt werden. Diese beinhalten Ridesharing, Pooling, Leihräder und ÖPNV. Zu Beginn des Panel-Talks debattierten die Teilnehmenden über die Auswirkung der Corona-Krise. Sonja Schmutzer, Leiterin Politik und Verbände bei der Stadtwerke München GmbH, sprach über den Rückgang von Fahrgastzahlen im ÖPNV in München. Dies sei nicht verwunderlich, so Prof. Michael Ortgiese vom Einstein Center Digital Future, da aufgrund von Home-Office der innerstädtische Verkehr generell in den letzten Monaten rapide gesunken sei. Aus Angst vor Ansteckungen seien viele Fahrgäste wieder auf individuale Verkehrslösungen umgestiegen. Uber Germany General Manager Christoph Weigler äußerte sich positiv über die zukünftige Entwicklung: „Die Entwicklung der multimodalen Mobilität war vor Corona durchweg positiv. Ich bin optimistisch, dass wir das Vertrauen unserer Kunden durch Hygienemaßnahmen zurückgewinnen“. door2door Co-Gründer und Geschäftsführer Dr. Tom Kirschbaum ergänzte, dass App-basierte Mobilitätslösungen in der Krise eine effektivere Kontaktnachverfolgung ermöglichten als der anonyme ÖPNV.

„Berliner warten lieber fünf Minuten länger für Elektroauto“

Anschließend erörterten die Teilnehmenden die digitalen Chancen der Elektromobilität für einen smarten urbanen Mobilitätsraum. „E-Mobilität braucht digitale Lösungen und eine Anpassung der Infrastruktur“, forderte Prof. Ortgiese. Das Problem von mangelnden Lademöglichkeiten wolle man in München mit einem Mietmodell für Wohnhäuser kompensieren, sagte Sonja Schmutzer. „Wir schaffen es so, mehr Menschen die Möglichkeit zum Laden von E-Autos zu bieten, auch wenn sie über kein eigenes Haus mit Außensteckdose verfügen“. Die steigende Beliebtheit der Elektromobilität beim Ridesharing merke man auch bei Uber, so Christoph Weigler: „In Berlin warten unsere Kunden lieber fünf Minuten mehr beim gleichen Preis, um mit einem Uber-Green rein elektronisch zu fahren.“

Keine Verkehrswende im ländlichen Raum?

In urbanen Gebieten biete die städtische Infrastruktur gute Adaptionspunkte für die nahtlose Integration von multimodalen Angeboten. In ländlichen Gebieten sei dies schwieriger. „Uber hat mit der Gemeinde Kirchheim bei München ein Pilotprojekt gestartet. Zum Festpreis fahren unserer Fahrer die Bewohner zur nächsten S-Bahnstation hin und zurück. Wir waren schockiert, wie groß das Interesse an dem Angebot war.“ Besonders nachts gäbe es in ländlichen Gebieten keine adäquate Ersatzmöglichkeit zum eigenen PKW.

door2door bietet in zahlreichen Gemeinden die Möglichkeit, sich per App einen Transport zu buchen. Der On-Demand-Service richtet sich nach den spontanen Mobilitätsbedürfnissen der Anwohner und vernetzt zahlreiche Gemeinden miteinander. „Uns ist es wichtig, dass der ländliche Raum bei der Verkehrswende nicht vergessen wird“, sagt Dr. Kirschbaum.

Uber Chef Weigler appellierte zum Schluss des Panels an die Gesetzgeber: „Die aktuellen Regeln machen es uns schwer, im ländlichen Raum Fuß zu fassen. Wir hoffen, dass der regulatorische Rahmen optimiert wird“. Nur so, da ist sich die Mehrheit der Teilnehmenden einig, sei eine bundesweite Verkehrswende möglich.

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